Gratis surfen mit der Bahn

Gratis surfen mit der Bahn

Stammkunden der Bahn wissen, dieses Unternehmen hat nichts zu verschenken. Verlässlicher als der Schneefall im Winter sind die Fahrpreiserhöhungen der Bahn im Dezember. Wenn, wie diese Tage, das Unternehmen kostenlosen WLAN-Zugang an mehr als 100 Bahnhöfen anbietet, sucht man sofort den Pferdefuß.

Gratis surfen bei der Bahn bedeutet grundsätzlich erstmal eine Beschränkung auf 30 Minuten. Dr. André Zeug, Vorstandsvorsitzender der DB Station&Service AG, meint zur Einführung dieses Angebotes, man wolle

[…] den Aufenthalt im Bahnhof für unsere Kunden noch attraktiver machen.

Das basiert schon mal auf einer falschen Grundannahme. Die Kunden halten sich im Wesentlichen nur zu einem Zweck am Bahnhof auf. Sie wollen mit dem Zug irgendwo hin. Die meisten, die sich am Bahnhof länger aufhalten, tun dies nicht freiwillig, sondern weil etwas mit ihrer Verbindung nicht so funktioniert hat wie geplant. Zugverspätungen, Ausfälle ganzer Züge und Witterungsbedingte Störungen, weil sich Personen im Gleis befinden. Man kennt das.

Angesichts der Verspätungen sind 30 Minuten eher knapp bemessen. Hinzu kommt, wie der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt, dass die kostenlose WLAN-Nutzung an einem Stück erfolgen muss. Wer in Köln startet, dort zehn Minuten kostenlos ins Netz geht, dann Richtung Frankfurt fährt und meint, bei einem Zwischenstopp am dortigen Bahnhof noch mal eben gratis WLAN zur Verfügung zu haben, liegt falsch. Die 30 Minuten gelten weder für jeden Bahnhof aufs neue noch lassen sich nicht verbrauchte Minuten für einen anderen Bahnhof „aufsparen“. Das erweckt den Eindruck, WLAN-Zugänge für Kunde wären für die Bahn noch Neuland.

Zusätzlich ist die Nutzung des WLAN alles andere als einfach. Die Bahn sieht folgendes Prozedere vor:

  1. WLAN am Endgerät aktivieren und verfügbare Netzwerke anzeigen
  2. „Telekom“ wählen und „Verbinden“
  3. Webbrowser auf dem Endgerät starten und eine beliebige Internetadresse eingeben, danach erscheint das HotSpot-Portal des WLAN-Bahnhofs
  4. Handynummer auf HotSpot-Portal angeben (alle nationalen und internationalen Mobilfunknummern werden akzeptiert)
  5. Zugangscode per SMS auf dem Handy erhalten
  6. Zugangscode im HotSpot-Portal eingeben
  7. 30 Minuten kostenlose WLAN-Nutzung genießen

Quelle: Deutsche Bahn AG

Auf der anderen Seite stellte sich die Frage, warum ein WLAN-Zugang bei der Bahn einfacher sein soll als mit dem Zug von Wattenscheid nach Koblenz zu fahren.

Der angebotene Tagespass, falls es mal wieder etwas länger dauert, ist mit 4,95 Euro alles andere als günstig. Vielleicht hat die Bahn Angst davor, ihr Angebot würde wirklich genutzt werden. Horden von jungen Menschen, die am Bahnhof rumlungern und gratis Internet nutzen. Dabei ist das gar nicht so gemütlich auf den meisten Bahnhöfen. Und in der DB-Lounge gibt es ehedem Gratis-WLAN, ganz ohne Beschränkung.

Je länger man über die 30 Minuten gratis WLAN nachdenkt, desto deutlicher fällt einem dazu ein, was davon zu halten ist: Geiz. Wer zum Beispiel sein Mobiltelefon zu Hause liegen hat, kann mit dem Notebook oder nur WLAN-Tablet nicht ins Internet. Es fehlt die SMS. Das es auch anders geht, zeigt Starbucks. Dort kann man zwei Stunden gratis surfen. Einfach und unkompliziert. Praktisch, dass es in vielen Bahnhöfen einen dieser Kaffee-Läden gibt.

6 Replies to “Gratis surfen mit der Bahn”

    1. Einkaufen eher selten, wenn man schon mal da ist. Ansonsten sind die Läden im Bahnhof preislich alle auf Apotheken-Niveau (na gut, Bücher und Discounter ausgenommen).

  1. Ich frage mich bei solchen Gelegenheiten immer, warum ein renommiertes (naja zumindest war es das mal) Unternehmen wie die Deutsche Bahn sich bei solchen Angeboten nicht einen Experten holt, der sich mit so etwas richtig auskennt. Einen, der weiß, worauf es ankommt und was die Kunden wirklich wollen. Das kann auch bei „Neuland“ nicht so schwer sein. Jeder Jugendliche könnte heute dazu was sagen. Peinlich…

    1. Die Bahn muss man nicht nur nicht verstehen, man kann es auch gar nicht. Das Unternehmen hinkt gefühlt mindestens 15 Jahre hinterher. Nimmt man die Zugverspätungen als Vergleichsmaßstab, dann hält sich das sogar noch im üblichen Rahmen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren