Die Traurigkeit der Angebotenen

Irgendwann zwischen 12 und 13 Uhr erreichend meine Frau und ich den Baumarkt. Urlaubstag, ausgeschlafen, lang gefrühstückt, genossen, dass der Tag heute kühler ist. Für den Balkon vielleicht noch ein paar Pflanzen kaufen, denke ich mir, als ich mit Fahrrad samt Anhänger auf den Parkplatz des Baumarkts einbiege. Das Schild am blauen Tor sticht mir sofort ins Auge. Ein Rabatt von 50 Prozent auf alle Gartenpflanzen.

Wir schließen unsere Räder ab und betreten die Verkaufsfläche im Außenbereich. Meine Frau besorgt uns einen Wagen. Viel Gartenpflanzen sind nicht mehr über. Die, die da noch auf einen Käufer hoffen, haben ihre beste Zeit bereits hinter sich. Verblüht, brauen Blätter. Ein Anblick der mehr zum weinen denn zum kaufen einlädt. Woanders hätte man die Sachen vermutlich schon auf den Kompost geworfen.

Drinnen im Markt wird fleißig geräumt. Zielstrebig steuern wird auf die Gartenabteilung zu. Zumindest Erde ist noch ausreichend vorhanden. Zu zweit hieven wir einen 40 Kilogramm Sack auf den Wagen. Das erste Teil von unserer Einkaufsliste. Bei den Töpfen ist die Auswahl nicht ganz so groß, nach längerer Diskussion können wir uns auf einen rechteckigen Kunstoffkasten samt Untersetzer für die Gartenkräuter entscheiden, die ich noch aussähen möchte. Spät, aber noch nicht zu spät. Aussaat ganzjähriger. Ich habe vor, das auf die Probe zu stellen.

Die Pflanzen, die sich bereist auf den Balkon befinden, haben uns auch was auf die Liste geschrieben. Etwas Dünger, zum weiter wachsen. Da wir liebevolle Balkongärtner sind, wollen wir ihnen den mitbringen. Ein einfacher Vorsatz, der aber schwieriger umzusetzen ist. Welcher Dünger wird wohl der richtige sein? Flüssig oder fest? Es gibt ihn dann auch noch für Bambus, Tomaten, Rasen Erdbeeren, Zimmerpflanzen und alles mögliche andere. Sie greift eine Packung Universaldünger aus dem Regal. Allheilmittel finden wird beide gut, auch wenn uns die Anweisung, „nach dem Bewässern einarbeiten“ etwas schwammig vorkommt.

Das letzte Teil auf der Liste. Von uns einfach nur „das Ding für die Löcher“ genannt, weil wir den Fachbegriff dafür nicht kennen. Verzweifelte Suche zwischen den Regalen. Meine Frau schnappt sich einen der räumenden Mitarbeiter und fragt nach dem Ding. Abschlusskappen für (Bohr)-löcher. Na klar. Das wir das nicht wussten – ist auch nicht schlimm.

Nach 35 Minuten steuern wir auf die Kassen zu. Nur eine ist offen, an der Kasse sitzt aber niemand. Wenige andere Kunden befinden sich mit uns überhaupt im Laden. Wir legen die Waren aufs Band. Eine Frau im blauen Kittel kommt auf die Kasse zu, begrüßt uns höflich, setzt sich hinter die Kasse. Zum ersten Mal fällt mir das Schild an der Kasse ins Auge. Hinweis drauf, dass Barauszahlungen bei Reklamationen auf Grund des Insolvenzrechtes nicht möglich seien. Kurz überlege ich, ob ich die Frau an der Kasse auf die Situation anspreche. Sie frage, ob auch ihr Arbeitsplatz bedroht ist – einer von 4.000.

Ohne etwas zu sagen, bezahle ich, wünsche der Frau an der Kasse noch einen schönen Tag. Ein bitteres Gefühl. Vor dem Ausgang weitere Angebote. Wir verlassen den Baumarkt, laden die Ware in den Anhänger. Mein Frau bringt den Wagen zurück. Kurz bevor wir auf die Räder steigen, schauen wir uns noch mal um. Praktika. Möglicherweise war das unser letzter Einkauf, bevor sich die Türen des Baumarkts für immer schließen werden.

Kommentar verfassen