Anschauungsunterricht

Die Siedlung Stellwerk60 ist nicht nur autofrei, sondern auch kinderfreundlich. Oder mit anderen Worten formuliert, man bekommt selbst als kinderloses Paar genügen mit von Kindern, Eltern und dem, was man landläufig als Erziehung bezeichnet.

Früher hieß es immer, Kinder sollte man sehen, aber nicht hören. Ob das die richtige Herangehensweise ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Zudem möchte ich mich aus der Erziehung anderer heraushalten. Da ich selber meine Füße auch nur zu Wahlterminen in die Schule setzen, genieße ich die Rolle eines unbeteiligten Beobachters. Im Gegensatz vielleicht zu anderen, kinderlosen Nachbarn nerven mich die Kleinen nicht. Im Gegenteil, ich finde es selbst dann noch spannend, wenn den Eltern der Schweiß auf der Stirn steht und die Silberfiedel auf ihren Nerven spielt. Das ist Sadismus, es ist einfach nur faszinierend. Und lässt sich bestimmt irgendwann mal literarisch verwerten.

Vergangene Freitag belauschte ich zufällig, weil das Fenster des Arbeitszimmers offen stand, das Gespräch zwischen einer Oma und ihrer vierjährigen Enkelin. Es ging darum, dass die beiden zusammen irgendwo hin wollten. Das Kind hatte noch einen Schlüssel dabei, von dem die Oma wollte, dass dieser zu Hause blieb.

„Der Schlüssel bleibt aber hier.“
„Nein.“
„Du hast doch schon so oft Schlüssel verloren.“
„Nein.“
„Ich möchte das der Schlüssel hier bleibt.“
„Nein, das ist mein Spielschlüssel.“
„Ich weiß nicht wo für der Schlüssel ist. Bitte las in hier.“

„Nein.“
„Ich möchte nicht das du den Schlüssel verlierst.“
„Nein, das ist mein Spielschlüssel.“
„Pass auf, der Schlüssel bleibt hier und wir fragen nachher die Mama.“

„Nein.“
„Wenn du den Schlüssel nicht da lässt, bleiben wir zu Hause.“
„Nein.

Verhandlungen mit kleinen Menschen scheinen schwieriger zu sein als sagen wir mal, diplomatisch Gespräche zwischen Nord- und Südkorea. Das sieht man auch in einem genialen Video, welches die Gespräche eines Vaters mit seiner zweijährigen Tochter mit einem erwachsenen Mann nachstellt.

Zum Glück muss ich mir selber nicht die Frage stellen, ob oder ab wann ich selber noch einen Keks hervorgeholt hätte.

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