Wie ich den Sonnenschutz entdeckte

Wer immer noch den Standpunkt verrit, Sonnenschutz sei unmännlich, dem ist vermutlich kaum zu helfen. Mittlerweile sollte die Aufklärung über die Risiken der Sonnenbestrahlung in alle Bevölkerungsschichten durchgedrungen sein. Eine wohl eher optimistische Sichtweise. Hautkrebs wird gedanklich in eine ferne Zukunft abgelegt, die von dem Sonnenbad und der guten Launen im Jetzt weit entfernt ist.

Viel näher ist der Sonnenbrand. Neben der farblichen Veränderungen ist es vor allem der Schmerz, der eine erzieherische Aufgabe übernehmen sollte. Sobald die Haut dann aber endlich den erwünschten braunen Farbton erreicht hat, ist das Leiden wieder vergessen. Dabei erhöht jeder Sonnenbrand die Wahrscheinlichkeit, später Hautkrebs zu bekommen.

Die Vernunft würde es eigentlich gebieten, zurück zu früheren Schönheitsidealen zu kehren. Vorne Blässe statt intensive Sonnenstrahlung. Braune Haut ist auch nur dann schön, wenn sie jung ist, was sich aber gerade durch die Sonne ändert. Durch die UV-Strahlung, ob natürlich oder im Solarium, altert die Haut schneller. Gegerbtes Leder sieht bei Schuhen oder Taschen gut aus, als optisches Resultat der Haut am eigene Körper mag es wenig überzeugen.

Sommer, wie er sich jetzt gerade zu zeigen scheint, heisst auch immer Sonnencreme. Wobei die kein Freibrief ist. Jede Lotion oder Creme wirkt nur dann, wenn sie sorgfältig aufgetragen wird. Zudem erhöht der Lichtschutzfaktor einer Sonnencreme nur die maximal Verweildauer bis zum Sonnenbrand, bedeutet aber nicht, sich permanenten ungefährlichen den „Beschuss“ aussetzen zu können.

Meine eigene Konsum von Sonnenschutzmitteln hat sich über meine bisherige Lebensspanne erheblich verändert. Als Kind und Jugendlicher habe ich nichts benutzt. Ursache dafür war weniger die damals fehlende Sensibilisierung für das Thema Hautkrebs, sondern eine Familienlegend. Der zu Folge fragte der behandelnde Arzt, als ich mit vier Jahren mitten im Sommer auf Grund einer möglichen Blinddarmentzündung im Krankenhaus lag, ob ich adoptiert sei. So dunkel, wie ich damals meine Haut war, verleitet ihn das wohl zu dieser Vermutung. Mir wurde die Geschichte häufiger erzählt – natürlich auch mit der Versicherung, ich sei nicht adoptiert worden. Das glaubte ich genauso wie die „Unbesiegbarkeit“ meiner Haut. Sonnenbrand war etwas für andere, nicht für nicht. Meinen ersten richtigen Sonnenbrand lernte ich daher auch erst sehr viel später kennen.

Trotzdem ging ich mit Sonnenschutzcreme sparsam um. Selber gekauft habe ich mir erst welche mit über 30 Jahren. Im Nachhinein ärgert mich meine diesbezügliche Dummheit. Wobei, ganz so einfach ist das auch wieder nicht. Mütterlicherseits habe ich eine extrem empfindliche Haut geerbt. Zwar reagiert die nicht so schnell auf Sonne (außer das sie braun wird), dafür aber auf die meisten Pflegeprodukte. Die brennen nämlich unangenehm. Ins Gesicht kann ich mir, so die bisherigen Erfahrungen, nur ein ganz bestimmte Creme schmieren. Bei den meisten andern sehe ich aus wie ein Streuselkuchen.

Mittlerweile gibt zu meinem Glück (und Schutz) auch Produkte, die frei von Duft- und Konservierungsstoffen sind, ohne das sie gleich ein Vermögen kosten. In den letzten Jahren führt das bei mir zum regelmäßigen Gebrauch von Sonnenschutzmitteln.

Die meisten Menschen (zu denen ich mich erstmal auch zähle), die zu einem Sonnenschutzprodukt greifen, wissen in der Regel nur eins. Viel hilft in diesem Fall wirklich viel. Lichtschutzfaktor 50 ist erheblich besser als 10. Was sich dahinter aber verbirgt, verschwindet im Nebel der Unkenntnis.

Zwei wesentliche Faktoren spielen eine Rolle. Der eigene Hauttyp und die Intensität der Sonnenstrahlung. Die ist nämlich nicht überall gleich. Im Hochgebirge ist sie anders als auf dem flachen Land. Durch den Hauttyp bestimmt sich die Eigenschutzzeit, also die Zeit, die man ohne Gefahr ungeschützt in der Sonne verbringen kann. Das sind je nach Typ 10 bis 30 Minuten. Im Zweifelsfall hilft hier wirklich „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“.

Kennt man die Faktoren, kann man mit einer einfachen Formel die maximale Aufenthaltsdauer in der Sonne ausrechnen:

Eigenschutzzeit der Haut * Lichtschutzfaktor = maximale Aufenthaltsdauer im Sonnenlicht

Bei meinem Hauttyp habe ich einen Eigenschutzzeit von 20 Minuten, hätte meine Sonnencreme einen Lichtschutzfaktor von 20, wären das rund 400 Minuten Sonnenbad. Klingt erstmal viel, aber die Intensität der UV-Strahlung ist wie erwähnt auch ein Faktor.

Bereits im Afrika-Urlaub habe ich etwas schätzen gelernt: Sunblocker, beziehungsweise Sonneschutzprodukt mit sehr hohem Lichtschutzfaktor. Während sich andere Mitreisende locker die Haut verbrannt haben, blieb ich schmerzfrei, mit einem leichten Braunton. Der wiederum ist aber bei mir wohl genetisch bedingt.

Überings, der Sonnenschutz verlängert sich nicht durch mehrfaches Auftragen des Sonnenschutzmittels. Ob ich mich zweimal oder fünfmal eincremen an einem Tag, die maximale Verweildauer bleibt die gleiche. Ich für meinen Teil greife zu Faktor 50, auch wenn ich erheblich weniger Zeit als möglich in der Sonne verbringe. Sicher ist sicher, lautet hier meine Devise.

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