Godot wohnt im Agnesviertel

Manche Anlässe sind groß genug, um essen zu gehen, aber nicht s groß, als das man ein besonderes Restaurant dafür auswählt. Und es gibt einfach ganz normale Tage, an denen man einfach keine Lust hat, selber zu Hause zu kochen.

Die Kriterien für auswärtiges Essen sind bei meiner Frau und mir einfach und eindeutig. Es muss auf jeden Fall besser sein, als wenn ich kochen würde. Zudem sollte der Service stimmen. Im Restaurant ist man Gast (und vor allem zahlender Kunde) und nicht Bittsteller. Bisher dachten wird, damit auszukommen. Nach unserem Besuch gestern in der bento box müssen wird das allerdings ergänzen. Ein nicht unwesentlicher Faktor beim Essen ist die Zeit. Wenn meine Frau und ich einen ganzen Abend mit Essen vergingen wollen, machen wir Fondue oder Raclette. Wir genießen auch gerne gutes Essen und tollen Service einen ganzen Abend lang in einem Restaurant.

Ich sehe schon, ohne deutlich Worte kommen wir hier nicht weiter. Also die Fakten auf den Tisch. Gestern Abend holte mich DER CHEF vom Bahnhof in Köln ab, wir nahmen gemeinsam die U-Bahn bis zum Eigelstein und liefen von dort aus zur bento box an der Neusser Straße. Um 19:45 waren wir dann im Restaurant. Es war zwar voll, trotzdem fanden wir einen freien Platz. Schon beim reinkommen fiel uns auf, wie viele Papiertüten an der Servicetheke zu den Fahrern herübergereicht wurden. Das sollte dann später für uns zu einem Problem werden.

Für diejenigen, die bento box nicht kennen, kurz ein Überblick. Das Restaurant bietet japanisch angehauchte Küche. Ein Auswahl an Sushi, Nudel- und Reisgerichte sowie Suppen. Man kann nicht nur vor Ort essen, sondern es gibt auch einen Lieferservice. Ganz Eilige können ihr Gericht auch zum mitnehmen bestellen. Gemütlicher ist es aber, das Essen frisch und warm (sofern kein Sushi) an den Tisch gebracht zu bekommen.

Die bisherigen Erfahrungen mit bento box waren überwiegend positiv, ansonsten hätten wir uns gestern Abend auch nicht entschieden, dort hin zu gehen. Allerdings war das gestern dann wohl doch der letzte Besuch. Aber schön der Reihe nach.

Wie gewohnt kümmerte sich recht schnell eine Servicekraft darum, dass wir Speisekarten bekamen und erkundigt sich schon mal nach unseren Getränkewünschen, die auch prompt erfüllt wurden. Wir bestellten bei dieser Gelegenheit schon mal Sushi. Bei der dritten Runde Kölsch, es war mittlerweile 20:30, wiesen wir höflich auf die immer noch nicht servierten Gerichte hin. Etwas später gab es dann endlich Sushi. Um den nächsten Gang zeitnah zu erhalten, bestellten wir vor dem ersten Bissen. Das Sushi selber war wie gewohnt vorzüglich – und die Wasabi schön scharf. Man das betonen um die spätere Enttäuschung deutlich zu machen.

Um 21:15 Uhr erinnerte ich die Servicekraft noch mal an unsere zweite Bestellung mit dem Hinweis, wir würden jetzt noch maximal 5 Minuten warten. Der Mann bedauerte die Verzögerung, servierte eine Runde Kölsch auf Kosten des Hauses und brachte das Essen dann um 21:30 Uhr.

Sowohl mein karaage als auch das bento box combo meiner Frau empfanden wir beide als wenig gelungen. Unserer Meinung nach waren die Hähnchenstücke etwas zu lang in Frittierfett, dass, so unser Eindruck, auch schon länger in Gebrauch war. Insgesamt eher ein enttäuschender zweit Gang. Nur mit Sushi wäre der Abend besser gewesen. Kurz vor 22 Uhr verließen wir die bento box. Hinter uns lag nicht nur ein frustrierender und vor allem Abend, der anders als geplant verlaufen war, sondern auch eine Rechnung von 47 Euro.

Man könnte das jetzt als Einzelerfahrung verbuchen, wenn denn nicht andere Gäste gestern Abend ähnliches erlebt hätten. Eine Frau bei uns am Tisch ist nach 45 Minuten, in denen sie vergeblich auf ihr Essen gewartet hatte, gegangen. Ein Paar mit Baby am Nebentisch bekam zuerst die warmen Speisen für ihn, dann eine halbe Stunde später das Sushi für die Frau. Eigentlich wollten sie zusammen essen. Auch an anderen Tischen war Stimmung etwas angespannt.

Mehre Gäste, die erst nach 21:00 Uhr das Restaurant betraten, wurden bei den warmen Speisen noch vor mir und meiner Frau bedient. So was ärgert mich auch. Was mich aber am meisten ärgert, ist die anscheinende Überforderung in Bezug auf Setzen von Prioritäten. Den ganzen Abend über ging bei den Außerhausbestellungen zu wie im Bienenstock. Frische Sushi verließ den Laden wie am Band. Das für uns offensichtlich wurde durch die Servicekraft bestätigt. Sie hätten, so die Auskunft, sehr viele Bestellungen. Darüber sollte man allerdings nicht die Gäste im Restaurant vernachlässigen. Und vernachlässigte fühlten meine Frau und ich uns. Wir haben insgesamt 2 Stunden in der bento box verbracht. Üblicherweise wäre es maximal die Hälfte der Zeit gewesen, selbst bei viel Betrieb. Wir hatten uns den Abend wirklich anders vorgestellt. Entsprechen groß war daher die Enttäuschung.

Natürlich wird wieder niemand etwas dafür können (wollen). Ebenfalls haben wir mit Sicherheit einen ungünstigen Tag erwischt. Die Bereitschaft aber, bento box noch mal an einem „guten“ Tag aufzusuchen, tendiert gegen Null. Schließlich kennen weder meine Frau noch ich die Betriebsabläufe und können beim Betreten des Restaurants daher auch nicht abschätzen, wie lange wir auf das Essen warten würden. Wenn an dem Abend noch einen Theaterbesuch, eine Lesung oder etwas anders ansteht, kann man sich zwei Stunde Wartezeit schon gar nicht leisten.

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