Gedanken zum Umzug auf die Ruheinsel

Genau ein Jahr und einen Tag ist der Umzug von meiner Frau und mir jetzt her. Ein Umzug innerhalb Kölns, der zunächst so nicht geplant war. Nicht geplant, weil wir erst zwei Jahre zuvor nach Köln gezogen waren. Gleichzeitig dürfte es aber der wichtigste Umzug in unserem bisherigen Leben gewesen sein.

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Raus aus einer Wohnung, die uns gefühlt mindestens fünf Jahres unseres Lebens gekostet hat. Die falschen Nachbarn, der falsche Vermieter und vor allem eine Lage, die für zwei geborene Landeier mehr oder minder unerträglich war. Den Beat der Großstadt nachts selbst mit Orhopax zu hören, mag für manche das höchste Glücksgefühl sein. Wir fanden es nur schrecklich.

Die letzten 366 Tag zeigten uns, wie wichtig die Entscheidung gewesen ist. Für das, was der Umzug gekostet hat, hätten wir zwei Jahren hintereinander in den Sommerferien in den Urlaub fahren können. Mindestens. So was tut weh, ist aber nur Geld. Denn hier in der autofreien Siedlung im Stellwerk 60 zu wohnen und vor allem zu leben, ist ein Stück weit wie Urlaub.

Sicher hier gibt es im Vergleich zum Agnesviertel andere Herausforderungen, denen man sich stellen muss. Die Gesamtsituation ist aber eine ganz andere. Was es bedeutet, ohne Auto zu leben, habe ich bereits häufiger, und vielleicht für einige zu häufig, berichtet in den letzten Monaten. Mir war vor dem Umzug allerdings auch nicht so bewusst, wie sehr mir das Konzept vom Stellwerk 60 am Herzen liegen würde. Mein denken ist autofrei geprägt, trotz dieser Plastikkarte in meinem Portemonnaie. Ich könnte, wenn ich wollte, aber ich will nicht. Es gibt kein Gefühl eines Mangels bei mir, so wie es bei eingefahrenen Autobesitzern vorhanden ist.

Und schon wieder fangen meine Augen an zu leuchten und ich merke, wie die Begeisterung Besitzt ergreift. Dabei gibt es noch andere Dinge, die erzählenswert sind. Kinder sollte man schon mögen, wenn man im Stellwerk 60 wohnt, denn die sind hier überall. Für meine Frau und dich ist das, auch wenn wir selber kinderlos sind, kein Problem. Die letzten Jahre in Bielefeld haben wir direkt neben einem Kindergarten gewohnt. Verglichen damit hört man hier fast nichts. Außerdem gibt es noch einen Grund, warum ein pädagogisches Studium bei uns beiden zur Biographie gehört.

So sehr mir Nippes ans Herz gewachsen ist, fehlt mir allerdings immer noch der Bezug zu diesem Veedel. Der Ortsverein meiner Wahl bleibt Innenstadt-Nord. Bei Kindern sind die ersten zwei Jahre des Aufwachsend entscheidend, sie prägen das noch junge Leben. Nun, die ersten zwei Jahre in Köln haben mich entsprechend auch geprägt, wenn man so will. Trotzdem möchte ich mitbekommen, was im unmittelbaren Umfeld passiert, wenn möglich mitgestalten und mit entscheiden. Mal sehen, ob und wie ich das Dilemma in den kommenden Monaten löse.

Vor einer Woche kam ich am Rande eines Grillfestes mit Menschen ins Gespräch, die noch mehr Umzüge hinter sich haben. Spannend zu erleben, wie gleich teilweise die Ansichten sind. Häufig fiel der Name genau der Zeitung, die ich zu meinem Bedauern nicht mehr lese, die Süddeutsche Zeitung. Trotzdem halte ich an meiner Entscheidung fest, eine lokale Zeitung im Abonnement zu haben. Nur so bekommt man mit, was im Umfeld passiert, was die Stadt, in der man lebt, ausmacht. Ich bin in Köln nicht zu Besuch oder auf der Durchreise. Daher will ich ganz direkt einen Bezug zu Stadt schaffen. Das geht meiner Meinung nur, wenn man den Kölner Stadt-Anzeiger liest (oder die Kölner Rundschau).

Die Abend, an denen ich von der Innenstadt mit dem Fahrrad oder zu Fuß nach Hause unterwegs bin, merke ich den Unterschied zwischen hier und dort besonders. Zwischen Nippes und dem Agnesviertel. Sobald ich über die Innere Kanalstraße bin, verändert sich die Luft, der Verkehr wird ruhig, der Puls langsamer. Nippes mag für andere verschlafen sein. Ich für meinen Teil hoffe, dass genau das noch möglichst lange so sein wird.

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