Kundenfreundlichkeit – Fremdwörter für die Servicewüste

Kundenfreundlichkeit – Fremdwörter für die Servicewüste

In Bezug auf Freundlichkeit hat Köln bei mir in den letzten drei Jahren, seit dem ich hier lebe, einen überwiegende positiven Eindruck hinterlassen. Handwerker sind dabei, wie in anderen Städten auch, eine Sonderkategorie, die unberücksichtigt bleiben sollten. Im Gesamtvergleich ist das auch durchaus fair, denn Städte mit freundlichen, serviceorientierten Handwerkern dürften wohl eher in das Reich der Legenden gehören.

Die angebliche Ruppigkeit eines typischen Kölner Berufsstandes, genannt Köbes, kenne ich bisher nur aus Erzählungen. Für meinen Unmut in Bezug auf das „Früh am Dom“ kann auch der Köbes nichts, sondern der Betreiber. Schließlich hat sich der Köbes auch im Rahmen seiner Möglichkeiten entschuldigt.

Rund drei Jahre später weiss man in Köln, wo was geht und was man lieber bleiben lässt. Und wer in einer Kölsch-Kneipe Altbier bestellt, der bekommt halt was er verdient. Ansonsten genießt man es hier in der Domstadt, ungefragt ein Kölsch nach dem anderen serviert zu bekommen. Zumindest solange nicht der Bierdeckel auf dem Glas liegt oder man selber unter den Tressen.

Aber weder ist die Welt eine Kölschkneipe noch besteht Köln nur aus solchen. Es gibt durchaus andere Lokalitäten. Normale und auch nicht-normale Restaurants. Richtung Rodenkirchen zeigt sich Köln (Rodenkirchener mögen mir an dieser Stelle verzeihen) von seiner charmanten Seite.

Entlang des Rheinufers ankern Schiffe mit Restaurants. Bei schönem Wetter abends auf dem Rhein zu erschwinglichen Preisen zu essen hat schon was. Fremd zu gehen in der „Alten Liebe“ und daher statt Kölsch „Grimbergen„, ein vorzügliches belgisches Bier zu trinken, welches mir bis dahin noch unbekannt war, ist nicht zu verachten. Man verzeiht dann auch einen Spruch bei der Kaffee-Bestellung, welcher längst aus der Zeit gefallen sein sollte „Draußen gibt es nur Kännchen.“. Ergänzt durch ein „leider“ konnte man der Kellnerin nicht böse sein.

Der gelungene Abend bliebt bis zu letzt trocken, schlug dann aber an der Haltestelle „Heinrich-Lübke-Ufer“ um. Das Wetter wandelte sich zu einem Platzregen vor dem mich nur die rechtzeitig eintreffende Bahn rettete. Zumindest fast, denn die Tür ging nicht auf. Drücken half nichts.

Nun muss man dazu sagen, dass es bereits dunkel war. Auf Bahnsteig im vorderen Bereich spärliches Licht, so das man wenig sieht. Den KVB-Fahrer, der sich mit seiner Mütze recht cool vorkam, konnte ich nicht übersehen. Kann auch jeder tragen, was er will. Ausgestoßen ist mir dagegen seine Durchsage, nach dem sich auch beim zweit Mal drücken die Tür nicht öffnete.

Wo Tür kaputt drauf steht ist auch Tür kaputt drin.

Der Tonfall dabei war ausgesprochen pampig, geradezu beleidigend. Wir standen zu zweit vor der Tür und hatte beide den Aufkleber nicht gesehen. Wie bereits erwähnt, es war dunkel. Gnädigerweise stand die nächste Tür dann noch auf, so dass ich und ein andere Fahrgast dort einsteigen konnten. Wir beide schüttelten den Kopf. Das das K in KVB für Köln und nicht etwa für Kundenfreundlichkeit steht, ist mir bewusst. Trotzdem sollte man das Personal zumindest ein Wenig schulen. Etwas Gespür dafür, dass es sich bei den zu beförderderden Personen um Kunden und nicht um Bittsteller handelt, trüge mitunter sogar dazu bei, mehr Menschen öffentliche Verkehrsmitteln nutzen zu lassen.

4 Replies to “Kundenfreundlichkeit – Fremdwörter für die Servicewüste”

  1. Nur mal so nebenbei, an dem Tag hat es nicht geregnet. Zumindest nicht, als ich mit der bahn ankam. Und es wurde JEDE Tür geöffnet und ihr stellt euch vor die einzige, die nicht öffnet und drückt noch drauf rum?!?!
    Bei soviel Blindheit und Dummheit die ich täglich sehe, dazu noch tausend rotläufern das leben retten muss, für JEDEN anderen verkehrsteilnehmer mitdenken muss, tut mir leid, da fehlt mir für sowas jedes verständnis!

    1. Lieber Mützenfahrer, ab und an schreibe ich hier in diesem Blog von meinen Großeltern, deren Erziehung ich genossen habe. Einiges habe ich behalte, andere Sachen wiederum nicht. Zu den Dingen, die hängen geblieben sind gehört auch der Spruch „Der Ton macht die Musik“. Häufig kommt es im Leben nicht nur darauf an, was wir sagen, sondern auch wie.

      Mag sein, dass alle anderen Türen auf waren. Darauf kann man dann auch höflich hinweisen, und wenn man es zum tausendsten Mal sagt. Für mich als Kunden war es nämlich das erste Mal.

      Du kannst mir glauben, vor dem Abend hatte ich einen langen Tag, einen ziemlich langen Tag. Werktags bin ich rund 12 Stunden aus dem Haus. Dabei bemühe ich mich, meine Launen eben nicht an meinen Mitmenschen auszulassen.

      Für Zug- und Bahnfahrer habe ich zudem eigentlich eine besondere Sympathie. Hier liest sogar der eine oder andere Zugführer mit. Wie stressiger deren Tag ist, weiß ich.

      Dennoch: es war dunkel, das Schild nicht zu sehen und ja, es hat auch geregnet, sogar ziemlich. Bei Erinnerungslücken, die bei solchem Wetter mal vorkommen können, helfen die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes.

      Auch wenn sich wirklich jede andere Tür geöffnet hat, fehlt mir wirklich das Verständnis für die Art des Kundenumgangs. Tut mir leid, wenn dich das aufregt. Ich für meinen Teil versuche immer, beide Seiten zu sehen. Wäre schön, wenn auch andere das zumindest ab und an versuchen würden.

  2. Lieber tboley:

    Ich kann es absolut nachvollziehen, dass sich das für dich böse anhört. Aber stell dir einfach mal vor, du machst den in Köln wahrscheinlich am meisten gehassten job (nach der Politesse), bist deswegen 10 Stunden am Tag unterwegs, wenn du irgendwas mit den Leuten zu tun hast, schreien sie dich an weil:
    1. Du zu spät bist, weil irgendein Typ ein paar Haltestellen vorher eine Tür aufgehalten hat
    2.Du zu spät bist, weil dir zwischen chlodwigplatz und ubierring ein falschabbieger die vorfahrt genommen hat, du eine vollbremsung gemacht hast und so einen unfall vermieden hast.
    3. Dein Zug stinkt, weil irgendjemand sein Geschäft drin verrichtet hat
    4. dein Zug stinkt weil jemand drin raucht
    5. jemand die mütze beschissen findet.

    Und nebenbei studiert man noch bei einer Fernuni.
    Ich mach das jetzt einfach so:
    Es tut mir leid dafür, dass ich dich/euch so angemacht habe. Ich versuche sowas auch wirklich zu ändern.
    Aber es gibt Tage, da kommt soviel zusammen, da regt einen jede kleinigkeit auf. Und dies war einer dieser Tage.
    Wenn du mich das nächste mal siehst kannst du ja mal anklopfen und hallo sagen! ;)

    1. Lieber Mützenfahrer,

      als Nicht-Autofahrer hege ich große Sympathie für Politessen, aber das gehört eher weniger hin. Da ich viel Zeit unterwegs mit öffentlichen Verkehrsmitteln verbringe, kenne ich die von die beschrieben Typen zum Teil – und noch ein paar andere exotische Vögel. Für dich sind sie Fahrgäste, für mich Mitreisende. Besser wird ihr Verhalten nicht, egal aus welchem Blickwinkel man auf sie schaut.

      Das solche Zeitgenossen einem den Tag versauen, kann ich gut verstehe. Mich nerven sie, und ich bin wie gesagt nur Nutzer, ebenfalls. Füße auf den Sitzen, lautes telefonieren, ein Verhalten, bei dem man nicht ruhig mit ÖPNV in den Feierabend kommt. Am schlimmsten finde ich jedoch Schwarzfahrer, die laut und agressive werden, wenn ein Kontrolleure sie erwischt.

      Alos, ich kann verstehen, wenn man ein Tag hat, an dem die Halsschlagadern so geschwollen sind, dass einem fast der Kopf platz. Ahnt man aber nicht, wenn man am Bahnsteig steht. Schön ist es, wenn man es wie hier im Blog erfährt, wie die andere Seite wirklich aussieht.

      Insofern klopfe ich gerne beim nächsten Mal an :-)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren