Fahrraderziehung

Seit dem ich in Köln wohne, nutze ich Call a Bike. Zwei Jahre lang als Ersatz für ein eigenes Fahrrad, mittlerweile als Ergänzung – vor allem dann, wenn ich eine Strecke nur in eine Richtung fahren möchte.

Als Kunde war ich bisher sehr zufrieden mit Call a Bike. Schnell, flexibel und für mich als Inhaber einer BahnCard 100 besonders günstig. Ein Leihfahrrad mit GPS nimmt einem auch die Sorge um das eigene Rad, was an manchen Abstellorten möglicherweise „abhanden“ kommen könnte.

Das Einzige, was mich in den fast drei Jahren der Nutzung öfter mal störte war die Verfügbarkeit der Räder. Damit meine ich nicht die Winterpause, denn die ist nachvollziehbare, sondern falsche Angaben bezüglich des nächsten Standortes eines freien Fahrrads. Öfter mal befand ich mich an dem auf der Karte der iPhone App von Call a Bike angegeben Standorts für ein freies Fahrrad, ohne das eins in Sicht war.

Die Rückgabe von Rädern ist für Städte wie Köln ohne feste Station, dafür aber mit einem so genannten „Kerngebiet“ wie folgt geregelt:

In Städten mit Kerngebiet ohne Stationen ist das Fahrrad immer im unmittelbaren Sichtbereich der nächstgelegenen Straßenkreuzung (Umkreis von 30 Metern zum Kreuzungsmittelpunkt) innerhalb des Kerngebietes zurückzugeben.

Vor der Saison 2013 musste man bei der Rückgabe eines Fahrrads an der App den Abstellort selber auswählen (telefonisch habe ich das nie gemacht). Dabei konnte man wohl auch etwas schummeln, denn die GPS-Ortung am Rad selber war nicht so genau wie auf dem Smartphone. Im Ergebnis führte dazu, dass die einem deutlich größeren Umkreis als eigentlich vorgesehen abgestellt wurde. So mancher nutzte die Option, sich dadurch ein „privates“ Call a bike vor die eigene Haustür zu stellen.

Und ja, ich gebe zu, auch ich habe das im letzten Jahr ein paar Mal so gemacht. In der ersten Wohnung in Köln war das nie ein Problem, weil wir direkt an einer Straßenkreuzung wohnten. Eine solche gibt es natürlich nicht in der autofreien Siedlung im Stellwerk 60.

Für dieses Jahr hat die Bahn ein paar Änderungen an den Rädern und am Service vorgenommen. Zuerst fiel mir das fehlende grüne Blinken an freien Rädern auf. Erst durch Nachfrage via Twitter erfuhr ich, dass das so seine Richtigkeit hat. Dann hieß es beim Update der iOS App, die Rückgabe hätte sich vereinfacht. Man muss jetzt nicht mehr selber den Standort eingeben und dann den Quittungscode vom Fahrrad eintragen, um die Ausleihe zu beenden. Einfach nur noch abstellen, absperren und fertig. Der Rest passiert dann von ganz alleine. Sehr bequem, wenn man mich fragt, besonders bei schlechtem Wetter, wenn man nicht mehr wie vorher ohne Regenschirm mit dem Smartphone in der Hand den Quittungscode eintragen muss.

Ermöglicht wird die Verbesserung im Service durch eine deutlich genauere Erfassung des Standortes über den GPS-Empfänger am Rad. Damit verbunden ist aber auch etwas anderes, wie ich kürzlich feststellen durfte.
rechnung-cab-05-2013

Fünf Euro Erziehungspauschale dafür, dass ich das Rad falsch abstellte. Letztes Jahr an gleicher Stelle gab es keine Probleme an dem Ort. Besonders ärgert mich dabei, dass ein paar Minuten später das Rad von jemand anders ausgeliehen wurde und ich nicht mal die Chance hatte (auf die ich ehrlich gesagt baute), damit selber wieder nach Hause zu fahren. Unerheblich auch zu erwähnen, dass die fünf Euro der einzige Kostenpunkt auf der letzten Rechnung sind, da ich immer unter dem Limit von einer halben Stunde blieb bei den einzelnen Leihvorgängen.

Ja, ich habe mich geärgert. Und nicht nur ein Bisschen. Das Problem ist nämlich auch die fehlende Kontrolle darüber, ob man das Fahrrad wirklich richtig abgestellt hat. Die AGB sind zwar eindeutig, aber unter „Call a Bike in Köln“ heisst es auf der Webseite beim Punkt Rückgabe:

Schließen Sie das Rad an der nächstgelegenen größeren Straßenkreuzung innerhalb des Kerngebietes ab.

Das ist etwas anderes als die in den AGB verwendete Formulierung. Ein „größere“ Straßenkreuzung lässt Raum zur Interpretation. Auch wenn ich wirklich Verständnis habe für die fünf Euro auf meiner Rechnung, denn das war definitive der falsche Platz für eine Rückgabe, so werde ich das in den kommenden Monaten genau beobachten. Wenn ich erneut den Posten „Sonstiges“ auf der Rechnung habe, obwohl ich künftig darauf achten werde, wo ich das Rad abstelle, werde ich im nächsten Jahr sicher nicht mehr Kunde von Call a bike sein. Zumal ich auch nicht den Eindruck habe, die Verfügbarkeit von Fahrrädern im Umkreis würde sich das neue Verfahren zu meinen Gunsten verbessern.

Wenn ich von „größeren Straßenkreuzung“ auch noch eine längere Strecke bis zum eigentlichen Ziel zurücklegen muss, wird das Ganze unattraktiv für mich. Abhilfe würde nur die Umstellung bei Call a bike auf feste Stationen schaffen. Die müssten dann allerdings großzügig verteilt sein, denn wenige zentrale Stationen manchen das ganze Prinzip zunichte. Vor allem dann, wenn man dadurch nicht mehr nur die einfache Strecke fahren kann, sondern auch in jedem Fall für die Rückgabe an den Ursprungsort zurück muss.

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