Hinter der Mauer

Zweck eine Mauer ist unter anderem, wenn man den gängigen Definitionen trauen kann, die Außensicherung. Eine Mauer kann aber auch zur Abgrenzung dienen oder vor versuchen, vor schädlichen Einflüssen zu schützen.

In der Geschichte gab es einige Mauern, mit denen das versucht wurde. Die Chinesische Mauer, der Hadrian’s Wall oder auch die Berliner Mauer. Die meisten dieser Bauwerke haben ihre ursprüngliche Funktion mittlerweile verloren und dienen nur noch als Touristenattraktion. Bei Gefängnismauern nahegelegener Justizvollzugsanstalten hofft man allerdings, sie würden immer noch eine unüberwindliche Hürde darstellen.

Mit ganz anderen Erwartungen errichtet der Springer-Verlag derzeit eine so genante pay wall für sein berüchtigtes Erzeugnis, die BILD. Ab dem 11. Juli werden die „Leser“ zur Kasse gebeten, wenn sie bestimmte Inhalte auf der Webseite abrufen wollen.

Ursache für den Wechsel auf ein Bezahlmodell dürfte wohl auch der Umsatzeinbruch beim Verkauf der Printausgabe sein. So brach die Auflage von BILD im ersten Quartal 2013, so tagesschau.de, um 8 Prozent ein.

Das digitale Abo, welches BILD+ getauft wurde, ist aber 4,99 pro Monat zu bekommen. Die naheliegende Frage wäre sicherlich die, ob sich genügend Leser finden werden, die bereit sind, dafür zu bezahlen oder aber ob die Abkehr von der „Kostenloskultur“ fehlschlägt. Auch andere Verlage mit Presserzeugnissen eines ganz anderen Kalibers haben derzeit ähnlich Probleme, denn auch dort kannibalisiert das kostenlos verfügbare Onlineangebot die Printausgaben.

Bei BILD muss man sich aber noch etwas anders vor Augen führen. Wie einleitend erwähnt, kann die Funktion einer Mauer auch der Schutz vorn schädlichen Einflüssen sein. Im Falle von BILD würde somit die Bevölkerung vor der Meinungsmache aus dem Springer-Verlag geschützt. So gesehen ist die pay wall bei BILD eine echte Bereicherung.

Aber mal im Ernst. Sicherlich gibt es eine Bereitschaft in der Gesellschaft, für unabhängigen und seriösen Journalismus zu zahlen. Egal, ob dieser auf Papier kondensiert oder im Rahmen einer Onlineplattform abgebildet wird. Auch werden sich sicher genügen Menschen finden, die bereit sind, für BILD+ zu zahlen – schließlich nagt die Pornoindustrie auch nicht am Hungertuch.

Was alles andere angeht, sind die Verlage gefordert, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Vielleicht wäre es in diesem Zusammenhang auch mal eine gute Idee, die eigene Leserschaft zu befragen. Klar differenzieren sollte man auch Serviceleistungen für die Kunden, wie zum Beispiel die Bereitstellung einer kostenlosen PDF-Version der Printausgabe für Abonnenten von Leistungen mit echtem Mehrwert für die Leser.

Sicher kommt es am Ende auf den Inhalt ab, aber diese sollte auch ansprechend und nutzbar verpackt werden. Wenn man sich auf dem Markt umsieht, dann ist das vielen Verlagen mit der digitalen Version ihrer Presseerzeugnisse nicht mal ansatzweise gelungen. Was zum Teil als App für Tablets angeboten wird, ist überwiegend untauglich. Oft kann man als Leser / Nutzer nicht mal ein Satz oder Abschnitt markieren und als Zitat in andere Anwendungen übernehmen. Nur Papier sparen ist kein echter Mehrwert.

Bevor also auch andere eifrig eine pay wall einführen, sollte zuerst die Mauer in Köpfen weg, um die Sicht frei zu machen auf wirklich innovative Angebote für die Leserschaft.

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