Zeilen im Umbruch

Über erstaunliche viele Dinge machen wir uns im Alltag keine Gedanken, weil wir sie intuitive tuen. Erst wenn wir versuchen, uns Abläufe bewusst zu machen oder versuchen, Zusammenhänge zu erklären, kommen wir ins Schleudern.

Auf der anderen Seiten gibt es allerdings Menschen, die erstaunlich wenig über das wissen, was sie täglich nutzen. Wer ein Auto fährt, sollte ein paar Basics rund um das Auto kennen. Vor allem den Unterschied zwischen Benzin und Diesel.

Genau so sollte Menschen, die täglich mit Texten arbeiten, den Unterschied zwischen einem Zeilenumbruch und einem Absatz kennen. Zumindest ist das meine Überzeugung.

Also, warum der dann eine Zeile Abstand macht wenn man Enter drückt weiss ich auch nicht.
Aus einer Schulung

Selbst wenn man nur gelegentlich einen Text mit einer Textverarbeitung schreibt, sollte einem bekannt sein, dass es einen Unterschied gibt. Mittlerweile lernt man so etwas in der Schule in Klasse sechs. Und das ist auch gut so.

Ein Absatz (so wie dieser hier) umschließt einen Sinnzusammenhang oder ein Thema. Typographisch lässt er sich unterschiedlich darstellen, zum Beispiel durch den eine Leerzeile zwischen zwei Absätzen oder durch Einrücken der ersten Zeile bei Beginn eines neuen Absatzes.

Wichtig ist zu verstehen, dass ein Absatz eine Einheit bildet. In der Auszeichnungssprachen wie HTML wird das recht gut zum Ausdruck gebracht. Dort wir ein Absatz durch den p Tag eingeleitet und beendet. Dagegen erfolgt ein einfacher Zeilenumbruch mittels br Tag.

In der Praxis können Zeilenumbrüche aussehen wie Absätze und umgekehrt. Es hängt stark davon ab, in welcher Anwendungsumgebung der Text geschrieben wird. In Textverabreitungsprogrammen wie LibreOffice führt die Eingabetaste (Enter, Return) immer zu einem neuen Absatz. In der Standardeinstellung des Programms und ohne eingeblendete Steuerzeichen sieht das genauso aus als würde man die Eingabetaste zusammen mit der Umschalttaste (Shift-Taste) drücken. Diese allerdings führt einen Zeilenumbruch durch. Bei eingeblendeten Steuerzeichen sieht man bereits, dass durch die Eingabetaste ein gesetzt wird, während Eingabetaste zusammen mit der Umschalttaste zu einem führen.

Erhöht man für Absätze den Randeinzug oder Abstand zwischen ihnen, zeigt sich ganz direkt, was den Unterschied ausmacht. Ein Zeilenumbruch führt wirklich nur zu einer neuen Zeile.

Eines der häufigsten Missverständnisse und Ausdruck von Unkenntnis ist der, zweimal die Eingabetaste zu betätigen, um zwischen zwei Textbereichen eine Leerzeile hinzubekommen. Dafür sind die Einstellung in der Textverarbeitung zuständig. Daher ähnelt so ein Verhalten dem mehrfachen Gebrauch von Leerzeichen, wenn man nicht weiss, welchen Zweck die Tabulatortaste erfüllen kann.

Es gibt auch mindestens einen guten Grund, warum man relative einfach einen neuen Absatz mit der Eingabetaste beginnen kann während man für einen Zeilenumbruch schon die Tastenkombination kennen muss (und bei vielen scheitert es schon daran). Generell empfiehlt es sich nämlich, auf Zeilenumbrüche im Text zu verzichten. Absätze sind innerhalb eines Textes strukturell. Umbrüche dienen nur zur optischen Gestaltung. Und genau das führt mitunter zu unschönen Ergebnissen.

Nach einem Zeilenumbruch wird auf jeden Fall mit dem Text danach in einer neuen Zeile begonnen. Unabhängig davon, ob in der vorherigen Zeile noch Platz ist oder nicht. In der Textverarbeitung, bei der man für einen Ausdruck auf DIN-A4 Papier schreibt, mag das noch zu einem Schulterzucken führen. Aber im Internet führt das bei Webbrowsern auf unterschiedlichen Bildschirmgrößen und Geräten zu ganz anderen Eindrücken. Soweit muss man aber nicht gehen, denn es gib Gerüchte, dass Generationen von Setzern wahnsinnig geworden sind über die falsch verwendeten Zeilenumbrüche von Autoren und Redakteuren.

Die Auswirkungen des Zeilenumbruchs lassen sich ganz gut in der Textverarbeitung betrachten, wenn man Schriftgröße und Schriftart verändert. Man muss nämlich dann immer nacharbeiten. Besser ist es daher, vollständig auf Zeilenumbrüche zu verzichten. Je nach dem, welche Schreibumgebung man verwendet, wird diese auch selbständig für ein ordentliches Ergebnis ganz ohne harte Umbrüche sorgen – wenn man sie beherrscht.

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