Es werde grün

Vorgestern an dieser Stelle schrieb ich über den im neuen Glanz erstrahlenden Balkon. Sauber ist aber nicht unbedingt direkt auch heimelig. Geplant daher die „Aktion Grün“. Ein paar Pflanzen auf dem Balkon als Zeichen gegen den um sich greifenden Betonwahn – wobei es hier in der Siedlung schon im Vergleich relativ grün ist – wenn man berücksichtigt, dass wir mitten in Köln leben, einer Großstadt mit über 1. Millionen Einwohnern.

Das Leben in einer autofreien Siedlung, insbesondere ohne Auto, aber mit mangelnder Fahrpraxis hat an ganz bestimmten Tagen seine Tücken. Zum Beispiel dann, wenn mal eben zum Gartencenter möchte, um dort Grünpflanzen zu erwerben. Zu Fuß geht so etwas schon mal gar nicht. Allein mit dem Fahrrad hat man ein ähnliches Transportproblem. Genau dafür haben findige Menschen Fahrradanhänger entwickelt.
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Zu unserer Hochzeit vor fast 14 Jahren haben meine Frau und ich von ihren damaligen Kollegen aus dem Fahrradladen einen Winthers Donkey geschenkt bekommen. Der hat bisher alle Umzüge überstanden, diente uns auch häufig zum Einkaufen oder Transport anderer Gegenständen. Wobei wir ihn ausnahmslos zu Fuß verwendeten. Und das, obwohl er eigentlich als Fahrradanhänger gedacht ist. In Bielefeld hatte ich aber immer meinen Bedenken hinsichtlich seiner Verwendung. Mit Anhänger fährt es sich anders. Zudem kann man sich nicht mal eben auf eine Verkehrsinsel quetschen, den der Anhänger ragt unter Garantie auf die Straße in den fließenden Verkehr hinaus.

Gestern jedenfalls hatte ich meine persönliche Premiere mit dem Winthers Donkey. Davor galt es jedoch nicht nur, sämtliche Reifen aufzupumpen, sondern auch die eigene Angst zu überwinden. Die Anzahl der Unfälle in Köln mit Fahrradfahrerbeteiligung ist nichts, was enorm dazu ermutigt, sich selber auf den Sattel zu schwingen. Insbesondere dann, wenn man weiß, dass der Fahrradweg an der Escher Straße stadtauswärts grundsätzlich aus Parkfläche missbraucht wird. Da hat man dann nur die Wahl, auf der falschen Seite zu fahren oder sich in den Autoverkehr zu stürzen, was im Feierabendverkehr eine gefährliche Angelegenheit ist.
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Die gute Nachricht: ich habe mich nicht nur überwinden können, sondern das Ganze auch noch überlebt. Zumindest bin ich davon überzeugt und würde auch andernfalls diese Zeilen hier jetzt nicht schreiben. Die Tour hat mich auf jeden Fall gestern dazu angespornt, die erworbenen Pflanzen umgehen selber einzutopfen. Dazu gehört es, in der Erde rumzuwühlen. Mein letzter Kontakt mit Gartenarbeit ist über zwanzig Jahre her. Überwiegend bin ich auch der Meinung, dies sei ganz gut so, denn die Gartenarbeit und ich, wie mögen uns nicht besonders. Für meinen Teil wage ich die Behauptung, bis zum meinem zwanzigsten Lebensjahr genügend Gartenarbeit geleistet zu haben. Mehr auf jeden Fall, als ein durchschnittlich Großstädter in seinem gesamten Leben machen wird. Das zu vertiefen, würde an dieser Stelle allerdings zu weit führen.

Jedenfalls spricht das Ergebnis für sich und auch für mich. Man merkt einen leichten Hang zu Farbe Lila, was die Auswahl der Pflanzen angeht. Meine Vorliebe für Lavendel ist  kein Geheimnis. Jetzt muss das Grünzeug auf den Balkon nur noch den ersten heftigen Regenschauer überstehen. Laut Beipackzettel vertragen alle erworbenen Pflanzen pralle Sonne (sofern es das dieses Jahr in Köln gibt). Hoffen wir mal, dass dem auch so ist und das wir das Gießen nicht vergessen.

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