Eclipse

Auf der Spielemesse 2012 in Essen stießen meine Frau und ich zum ersten Mal auf das Brettspiel Eclipse welches wir uns vor Ort erklären ließen. Schnell wurde uns beiden klar, bestärkt auch durch ein anderes Pärchen am Tisch, dass dies ein ideales Spiel für uns sein würde. Es lässt sich nicht nur in einer größeren Konstellation spielen, sondern auch hervorragend zu zweit. Dies Versuche, das Spiel direkt in Essen auf der Messe zu erwerben, waren dann erfolglos. Wiedermal ausverkauft, hieß es an den Ständen, wo wir nachfragten.

Einen Tag nach der Messe konnten wir dann noch in einem Laden in Köln ein Exemplar ergattern. Eclipse gehört zu den sogenannten 4X-Strategiespielen (was damit gemeint ist, musste ich auch erstmal nachschlagen): Explore, Expand, Exploit, Exterminate. Also erkunden, erweitern Rohstoffe sammeln und den Gegner vernichten. Eine andere Kategorie wären die worker placment Spiele – Einteilung, die mir relativ unvertraut sind, obwohl ich von dieser Sorte Spiele eine Menge im Regal habe.

Eine gute Zusammenfassung dessen, was den Reiz von Eclipse ausmacht, findet man in einem Special zum Spiel von 4Players. Nach einigen Monaten haben meine Frau ich bereits 30 Mal das Spiel gespielt. Das hört sich vielleicht nicht viel an, man muss aber dabei nicht nur die Spieldauer sondern auch die Zeit berücksichtigen, die man zum Aufbau von Eclipse benötigt. Gerade das ist ein Faktor, der eine Partie Eclipse auf verlängerte Wochenenden oder Feiertage begrenzt. Die Regeln selber sind umfangreich, aber intuitiv. Nach mehreren Spielen greift die Hand nicht mehr zum Handbuch, da sich alles durch das Material selber erklärt.

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Da man im Spiel die Galaxis erforscht, benötigt man auf dem Tisch eine Menge Platz. Für die Hexafelder, die eigene Übersichtstafel und den Stapel mit dem Forschungskarten und Erweiterungskomponenten für die Raumschiffe. Wieder ein Punkt, der Eclipse etwas einschränkt. Mal eben eine flotte Partei abends nach der Arbeit ist eher Fiktion. Dennoch waren wir so angetan von Eclipse, dass wir uns Anfang März sogar die Erweiterung Rise of the Ancients zulegten. Dadurch wird das Basisspiel modular um zusätzliche Komponenten erweitern. Vor allem gerade für zwei Spieler interessant sind die Heimatplaneten der Ältesten und ein stärkerer Gegner im galaktischen Zentrum.

Das Einzige, was wir an Eclipse vermissten war eine Möglichkeit, häufiger zu spielen. Seit Dienstag gibt es die lang erwartete Umsetzung für iOS (nur iPad), die dem Brettspiel in keiner Weise nachsteht. Sie ersetzt nicht die Brettspielausgabe, denn es ist einfach ein haptischer Genuss, einen Pulk Raumschiffe in die Hand zu nehmen und sie auf das Feld eines Mitspielers zu setzen, während man sich an seinem verblüfften Gesichtsausdruck ergötzt. Die elektronische Version ist eine gute Ergänzung. Fast bin ich sogar dazu geneigt zu behaupten, man benötige beide Versionen. Das Tutorial auf dem iPad ist zwar gut gemacht, Kenntnisse aus dem Brettspiel helfen jedoch enorm beim Verständnis. Auf jeden Fall fährt man gut damit, sich die Spielregeln des Brettspiels durchzulesen, die es auch als kostenloses PDF gibt.

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Ein paar Sachen fallen bei der gelungenen iOS Umsetzung direkt auf. Um das gesamte Spielmaterial auf den Bildschirm zu bekommen, wurde die Optik auf das Wesentliche reduziert. Was auf einem Bildschirmfoto zunächst verwirrend aussieht, funktioniert in der Praxis hervorragend, zumal sich die einzelnen Bereiche der Galaxie zoomen und die Forschungs- und Technologieleisten einklappen lassen. Zu bedenke ist immer, dass Big Daddy’s Creations einen Tisch von mindestens zwei Meter Durchmesser auf das iPad gebracht hat. Irgendwo muss das ganze Material hin.

Spielen lässt sich Eclipse für iOS entweder online, lokal als Pass and Play (weniger empfehlenswert, da man eigentlich permanent seine eigenen Ressourcen und Entwicklungen im Auge behalten sollte oder gegen Computer gesteuerte Gegner. Und die haben es wirklich in sich. Bei den bisher gespielten Partei des Brettspiels gegen meine Frau liege ich mit 17 Siegen leicht im Vorsprung. Dabei würde ich mich auch durchaus als erfahren Spieler bezeichnen.

Gegen gerade mal einen Computergegner auf der schwächsten Stufe habe ich bisher noch nicht gewonnen. Die KI ist wirklich gelungen programmiert. Heute morgen war ich mir sicher, dass sie niemals Ressourcen eintauschen würde gegen Forschungspunkte, um sich direkt zu Spielbeginn die „Erweiterte Hülle“ zu kaufen. Meine Frau und ich machen so was grundsätzlich, da diese Schiffserweiterung äußert nützlich ist. Das weiss auch die KI, die nämlich genau den von mir nicht erwarteten Spielzug machte.

Fazit: Eclipse für iOS für Anhänger des Brettspiels ein Pflichtkauf. Alle anderen sollte sich die verlinkten Spielregeln durchlesen und entscheiden, ob sie diese Art von Spielen grundsätzlich mögen. Wenn ja, haben sie mit Eclipse ein Spiel mit enormen Langzeitspielreiz.

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