Endlich aufatmen

Endlich aufatmen

Am 1. Mai verschärft sich in Nordrhein-Westfalen das Gesetzt zum Schutz der Nichtraucher, gemeinhin auch als Rauchverbot bezeichnet. Für nicht wenige Menschen ist das ein Grund zum freuen. Endlich aufatmen, vor allem durchatmen.

Für den Kölner Stadt-Anzeiger ist es heute jedoch Anlass, einen ganzseitigen Artikel mit dem Titel „Die Raucher müssen draußen bleiben“ zu veröffentlichen, in dem es vor allem um eins geht: Mitleid für die Raucher und betroffenen Gastronomen zu wecken. Als Leser dieser Zeitung schäme ich für diesen Artikel. Es ist eine zutiefst einseitige Meinungsmache (von Berichterstattung kann hier nicht gesprochen werden). Dabei werden erneut Erfahrungen, die in Bayern bereits gemacht wurde, ausgeblendet. Es wird genüsslich der Mythos von ruinierten Gastwirten gepflegt.

Man fragt sich als Nichtraucher, warum in der Zeitung nicht ein Artikel gebracht wird von Nichtrauchern, die durch Passivrauchen erkrankt sind. Auf den Krebsstation der Krankenhäuser lassen sich tolle Fotos machen. Zugegeben, da lächelt dann niemand mehr mit einer Zigarette in die Kamera, aber so ein Raucherbein sieht auch lässig aus.

Nein, für diese Art von Artikel fehlt mir jedes Verständnis, vor allem wenn es innerhalb weniger Tage der zweite ist. In der von mir ansonsten gerne gelesenen Stadtrevue durfte sich ein Herr Christian Steigels auch darüber auslassen. Immer wieder gerne verwendet wird der Begriff der Freiheit, die man den Rauchern nehmen würde. In Stadtrevue untermauert man solches dann direkt mit historischen Wissen, um auch den Wert seines geschichtswissenschaftlichen Studiums hervorzuheben.

Raucher haben noch immer nicht begriffen, worum es eigentlich geht. Es soll hier Verbot ausgesprochen und ihre persönliche Freiheit eingeschränkt werden, sondern es geht darum, das Miteinander verträglicher zu gestalten. Da sämtliche Versuche, auf Rücksichtnahme zu bauen, gescheitert sind, muss der Gesetzgeber zu solchen Maßnahmen wie jene in Bayern und Nordrhein-Westfalen greifen. Zum Schutz der Nichtraucher erfolgt die rigorose Einschränkung.

Und hört mir bitte auf mit dem Ruf nach Toleranz, denn das ist, mit Verlaub völliger Blödsinn. Die einzige Form der Toleranz, um die es Raucher dabei geht, ist die, dass man als Nichtraucher gefälligst ihren Qualm zu tolerieren hat. Zu sehen ist das täglich auf den Bahnsteigen allein hier in Köln. Ob am Hauptbahnhof oder in Nippes. Hinweisschilder werden ignoriert, selbst Mütter mit Kinderwagen ohne Rücksicht zugequalmt. Rücksicht auf Nichtraucher? Fehl am Platz.

Wenn einem der Qualm stört, kann man ja auch woanders hingehen, hört man oft als Nichtraucher. Klar, ich kann auch zu Fuß nach Essen laufen. Nein, es muss und wird anders sein. Wenn einem das Nichtrauchen stört, kann man woanders hingehen. In die eigene Wohnung zu Beispiel. Aber da stört man sich anscheinend selber, wie sich gut beobachten lässt. In der Siedlung, in der ich wohnen, gehen über 50 Prozent der Raucher zum rauchen nach draußen. Dabei dürften sie in ihren eigenen vier Wänden rauchen, machen es aber nicht. Entweder sind sie bereits durch Kneipenbesuche konditioniert oder aber sie erfreuen sich selber an rauchfreien Räumen.

4 Replies to “Endlich aufatmen”

  1. “Die Raucher müssen draußen bleiben”?
    Nein, da hat der Kölner Stadt-Anzeiger was falsch verstanden.
    Die Raucher dürfen gerne rein,
    nur die Zigaretten müssen draußen warten.

    1. Stimmt. So wäre es korrekt. Schön ist der von el-flojo verlinkte Artikel – der Stand heute im Kölner Stadt-Anzeiger auf Seite vier und bringt es wirklich auf den Punkt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren