Rasende Radler

Die unscheinbarste Art des öffentlichen Selbstmords ist die, mit einem Fahrrad durch Köln zu fahren. Irgendein Lastwagen findet sich schon, der einen vom irdischen Elend erlöst.

Im Ernst. Fahrrad fahren in Köln ist ein Gesundheitsrisiko. Das Thema wird gerade wieder im Kölner Stadt-Anzeiger diskutiert, auch in zahlreichen Leserbriefen und Kommentaren auf der Webseite. Sicher, es lässt sich nicht abstreiten, dass es nicht wenige Fahrradfahrer gibt, die sich regelwidrig verhalten. Die zum Beispiel auf der falschen Seite auf dem Bürgersteig unterwegs sind und Fußgänger vor sich her scheuchen.

Der weitaus größere Teil der Fahrradfahrer hält sich, so zumindest mein Eindruck, an die Verkehrsregeln. Die wirkliche Gefahr geht von den Autofahrern aus, die die Straße als ihren persönlichen Spielplatz ansehen, auf dem das Recht des Stärkeren gilt. Und in der Hinsicht ziehen die Fahrradfahrer naturgemäß immer den Kürzeren.

Es ist egal, ein Fahrradweg Bestandteil des Bürgersteiges ist, also explizit von der Straße abgetrennt ist, oder ob die Fahrradbenutzer eine eigene Spur auf der Straße haben. Als Parkfläche werden beide Möglichkeiten missbraucht. Die häufiger angepriesene Option, Fahrradfahrer zu gleichberechtigten Verkehrsteilnehmern zu machen, in dem man den Fahrradweg auf die Straße verlagert, halte ich für den falschen Weg. Viel zu oft durfte ich selber erleben, wie einem auf diese Weise der weg abgeschnitten wird. Rechts abbiegen Autos oder Lastwagen sind für Radfahrer lebensgefährlich. Rücksicht wird oft gefordert. Vielfach würde es schon reichen, wenn Autofahrer sich daran erinnern, dass sie einen Blinker haben – und diesen dann auch benutzen.

Mich führt das, je länger ich darüber nachdenke, zu einer Forderung, die wir damals in Wesel bei den JuSos schon formulierten. Ein grundsätzliches Tempolimit von 30 km/h in den Innenstädten. Und der Verkehr damals war, insbesondere in einer Kleinstadt wie Wesel, verglichen mit heutigen Verhältnissen in Köln, extrem harmlos.
Wenn man mal in Ruhe über Tempo 30 nachdenkt – schlecht wäre so was nicht. Es würde nicht nur nachweisbar das Unfallrisiko senken, sondern gleichzeitig auch die Emissionsbelastung. Grund genug, darüber mal ernsthaft nachzudenken.

Positiv sei erwähnt, dass es in anderen Städten zum Teil schlimmer aussieht. Im deutlich kleineren Bielefeld habe ich mir auf Grund des Verkehrs das Fahrradfahren regelrecht abgewöhnt und erst in Köln wieder für mich entdeckt.

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