Ständiger Begleiter

Die Bilanz von diesem Montag beim Boston-Marathon. Zwei Sprengsätze, drei Tote, 175 teils schwer verletzte Menschen. Simple Bomben aus Schnellkochtopf, Eieruhr, Nägeln und Metallkugeln. Einfach und verheerend in ihrer Wirkung. Vermutlich findet man, wenn man will, irgendwo im Internet die Baupläne dazu. Terrorismus für Jedermann.

Es ist letztendlich unerheblich, wer für den Anschlag verantwortlich ist. Ob radikale Amerikaner, die gegen was auch immer protestieren wollten oder radikale Islamisten. Es spielt keine Rolle. Für die Opfer schon gar nicht. Neben der Zerstörung und dem Vielfachen menschlichen Leid gibt es noch weiteres zu beklagen. Die Opfer sind letzten Endes nur ein „Kollateralschaden“, wurden billigend in kauf genommen. Mit Sicherheit gibt es keinerlei persönlichen Verbindung zwischen Opfer und Täter. Wen es getroffen hat, der war zur falschen Zeit am falschen Ort, so zynisch sich das zunächst anhört.

Ziel des Anschlags waren nicht einzelnen Menschen, sondern die Gesellschaft und der Staat, gegen die Terroristen aufbegehren. Erreicht haben die Terroristen auf jeden Fall, Angst und Schrecken zu säen unter den Menschen. Was erklärte Absicht von Terror ist. Dazu gehört auch, weder Ort noch Zeit zu kennen, an dem eine Bombe explodiert. Im Prinzip wird dadurch jeder Aufenthalt, jede Aktivität zu Risiko.

Niemand weiss, ob in dem Zug, in der er gerade einsteigt, nicht ein Koffer mit einer Bombe liegt. Im Normalfall halten wir das für unwahrscheinlich. Unwahrscheinlich heisst aber auch, es ist möglich, nur eben nicht sehr wahrscheinlich. Treffen könnt es uns trotzdem. Durch Anschläge wie in Boston wird die Angst wieder zu unserem ständigen Begleiter. Das Kopfkino läuft an, man fragt sich, was es mit dem scheinbar herrenlosen Koffer in der Ablage auf sich hat. Der Mann mit dem langen Bart und der Kopfbedeckung – ist der nicht verdächtig? Je mehr wir dieser nachgeben, desto größer ist der Sieg der Terroristen. Die Angst vergiftet auch das gesellschaftliche Klima. Misstrauen zersetzt das unbefangenen Miteinander.

Künftigen Veranstaltungen wie in London, Köln oder nächste Jahr in Boston müssen statt finden, um ein Zeichen zu setzen, dass die Menschen sich nicht von dieser Angst verführen lassen.

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