Inklusion kann Spaß machen

In einer Schule irgendwo in Köln. Eine 5. Klasse mit 30 Kindern, darunter eins mit Asberger. Manchmal, so erzählt man sich, kann der betreffende Schüler sehr anstrengend sein. Zum Beispiel, wenn er unter dem Tisch sitzt, sich Stifte in Nase und Ohren steckt und das Arbeitsblatt isst, welches die Lehrkraft zuvor an die Schüler verteilt hat. Oder wenn er eine volle Tintenpatrone aufschneidet und sich mit beiden Händen die Tinte ins Gesichts schmiert.

Es gibt aber auch Szenen wie die nachfolgende (Ähnlichkeiten mit realen Personen wären selbstverständlich rein zufällig).

Der Schüler mit Asberger sollte unter Aufsicht eine Klassenarbeit in Deutsch nachschreiben. Zusammen mit einem Lehrer, der ihn beaufsichtigen sollte, sitzt er in der schuleigenen Bibliothek.

Lehrer: Weißt du was du machen musst?
Achim Asberger: Ja.
L: ok dann erkläre es mir.
A: Ich muss einen Text schreiben zu diesem Bild. ( Schüler zeigt auf ein farbiges Bild mit einem Ara Papagei)
L: Aha interessant, das ist ja ein biologische Thema, darin bist du doch gut und weiter?
A: Das soll entweder ein Sachtext werden oder eine Erzählung für einen Freund oder Freundin.
L: Dann könntest du sozusagen einen Sachtext für deinen Biolehrer schreiben oder Rita von dem Bild erzählen.

L. und A. schauen sich für einen längeren Moment an bis A. den Kopf senkt und anfängt zu schreiben.

20 min später …
Achim Asberger steht auf und geht zum Lehrer.

A: Können Sie Paläontologe buchstabieren? Meine Lehrer in der Grundschule konnten das nicht.

L. lächelt seinen Asperger an und schreibt das Wort schnell auf und zeigt es ihm.

A: RICHTIG!!!
L: Ich bin doch dein Biolehrer, da muss ich das doch auch wissen oder? (zwinkert ihn an).
A: Nicht unbedingt, meine Lehrer in der Grundschule konnten das ja nicht
L: Sag mal bist du schon fertig?
A: Nö aber gleich.
L: Wie lange brauchst du noch?
A: 10 Minuten, aber was ich Ihnen eigentlich erzählen wollte ist, dass ich später einen Anzug erfinden möchte, der es einem ermöglicht jede Fähigkeit eines Tieres zu imitieren, indem man einfach eine dafür passende Disk in eine Tasche des Anzugs steckt.
L: Ok, klingt interessant, und wie löst du das Problem mit der Unterwasseratmung? Wir haben Lungen und können nicht von jetzt auf gleich Kiemen entwickeln?
A: Aber das ist doch ganz einfach, der Anzug entwickelt sich dann zu einem Taucheranzug mit Sauerstoffzufuhr. (A. zeigt mir mit seinen Händen, wie der Taucherhelm für den Anzug aussehen soll.)
L: Ok, leuchtet ein. Zähl doch noch mal besondere Fähigkeiten der Tiere auf, die der Anzug können soll?
A: Schnell laufen, klettern, gut sehen und fliegen
L: Unterbricht seinen Asperger. Erzähl mir doch gleich mehr davon, wenn du mit der Klassenarbeit fertig bist. Für was hast du dich eigentlich entschieden?
A: Den Sachtext.
L: Sehr schön, das habe ich mir gleich gedacht. Schreibst du jetzt bitte weiter?!
A: Ja.

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