Prinzip Carsharing

DER CHEF und ich leben bewusst ohne Auto. Nicht erst seit gestern, sondern schon eine verdammt lange Zeit. Dabei bin ich sogar in Besitz eines Führerscheins, auch wenn ich derzeit mangels Fahrpraxis keinen Gebrauch davon machen würde.

Über die Jahre haben gab es keinen Moment, wo wir ein eigens Autor wirklich vermisst hätten. Sicher, Wochen-Einkäufe zu schleppen war in Bielefeld häufiger kein Zuckerschlecken, aber es ging. Hier in Köln haben wir dank zahlreicher Möglichkeiten auch unter der Woche Gelegenheit, mal eben noch etwas zu besorgen. Dank „Speisewagen“ im Stellwerk60 sogar dann, wenn etwas nicht auf dem Einkaufszettel gestanden hat, zum kochen jedoch dringend benötigt wird.

Sofern für uns noch mal ein Auto notwendig sein wird, bauen wir auf Carsharing. In Köln gibt es mittlerweile vier Anbieter, zwei davon sogar mit einem extrem flexiblen Modell. Mich persönlich reizen DriveNow und Car2go weit aus mehr als die klassischen Anbieter cambio und Flinkster, bei denen der Wagen nur an festen Stellplätzen ausleihbar ist und wieder zurück gegeben werden muss. Wobei als bahn.card 100 Besitzer flinkster durchaus Vorteile hätte – und bei cambio derzeit für Stellwerk60 Bewohner die Grundgebühren entfallen.

Vor der Nutzung müsste ich allerdings noch Fahrstunden nehmen, zur eigenen Sicherheit. Aber das nur am Rande. eigentlich wollte ich auf das Prinzip Car-Sharing zu sprechen kommen. Die Idee dahinter ist auf der einen Seite, unterschiedliche Verkehrsmittel intelligent zu verbinden und auf der anderen Seite, ein eigenes Auto überflüssig zu machen. Gerade dieser Punkt ist von besonderer Bedeutung, wenn man die Verkehrssituation in Städten wie beispielsweise Köln und Berlin betrachtet. Es fehlen nicht nur Parkplätze, sondern Städte sind einfach kein Raum für Autos. Zumindest nicht dann, wenn sie lebenswert sein sollen.

Zudem kommt noch der Umweltaspekt. Mehr Individualverkehr bedeutet mehr Abgase und mehr Lärm. Wie gut man ohne diesen leben kann, spürt man deutlich in einer autofreien Siedlung. Es gibt aber Momente im Leben, in denen man ein Auto benötigt. Zumindest sind davon einige Menschen fest überzeugt. Wenn man auf dem Land lebt, kann ich das sogar noch streckenweise nachvollziehen, denn ich bin ein geborenes Landei und kenne einen öffentlichen Nahverkehr, bei dem einmal am Tag möglicherweise ein Bus komm. Trotzdem musste ich nicht mit 18 den Führerschein unbedingt in der Tasche haben, denn am Niederrhein kommt man auch gut mit dem Fahrrad voran.

Es gibt aber immer wieder Menschen, die meinen, es würde in ihrem Leben nichts ohne Auto gehen. Unverständlich dann, wenn sie in der Stadt wohnen. Für mich klingt es oft nach Ausreden, wenn sie ihre Gründe auflisten, warum sie ein Auto besitzen. Häufig werden Kinder vorgeschoben, die man irgendwo hin bringen müsse. Hier im Stellwerk wohnen sehr viele Familien mit kleinen Kindern, die kein Auto haben. Und was soll ich sagen, sie kommen zurecht. Es ist eine Frage des Wollens.

Wie sehr das zutrifft, verdeutliche heute im Kölner Stadt-Anzeiger ein Mann, der zum Thema Carsharing befragt wurde.

Das kommt für uns nicht in Frage. In unserem Haushalt […] gibt es schon drei Autos. Da brauchen wir nichts zusätzlich.
Quelle: Sie hoffen auf Car-Sharing in Chorweiler, KSTA 74/2013, S.33

Drei Autos in einem Haushalt. Das ist meiner Meinung nach deutlich zu viel. Man will da lieber nicht wissen, wie viel Menschen in dem Haushalt. Wo kein Wille ist, fährt man lieber Auto. Ist ja schön bequem. Was jedoch am meisten auffällt an der Aussage des Mannes ist, dass er das Prinzip Carsharing nicht verstanden hat. Es geht nicht darum, zusätzlich noch etwas zu haben, sondern die Anzahl der eigenen Autos zu reduzieren.

Vielleicht ist aber Chorweiler noch nicht Hopfen und Malz verloren und die befragten Personen sind alles andere als repräsentativ („Ich habe immer ein eigenes Auto gehabt.“).

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