Tee ist kein Kaffee

Tee ist kein Kaffee

Das genau Datum, an dem ich vom langjährigen Kaffeetrinker zum Teetrinker konvertierte, kenne ich nicht. Zumindest weiß ich das Jahr, denn mein Umstieg fiel zusammen mit meiner ersten Teebestellung.

Damals, in einer Zeit, als es noch keine Onlineshops gab, bestellte man über Kataloge (das sind auf Papier gedruckte Werke). Bei meiner ersten Bestellung bekam ich einen silbernen Teelöffel dazu. Das Jahr 1990 ist lange her. Mittlerweile bin ich auch nicht mehr so dogmatisch – jedenfalls in Bezug auf die Heißgetränke. In der Regel trinke ich Tee, ab und an aber auch durchaus Kaffee.

Dagegen bin ich nach wie vor ziemlich dogmatisch was die Zubereitung angeht. Tee kauft man lose und bereitet ihn frisch zu. Teefilter sind allerdings durchaus erlaubt. Damit ist die Zubereitung eigentlich so einfach, dass es keine komplizierten technischen Hilfsmittel bedarf.

Perverse Formen des Teekonsums lehne ich kategorisch ab. Dazu gehört nicht nur gefriergetrockneter Tee (den es ähnlich wie löslichen Kaffee gibt), sondern gerade auch Teemaschinen oder Tee in Kapseln. Tee braucht kein 15 Bar Druck, sondern nur heißes Wasser, je nach Sorte in der richtigen Temperatur. Das bekommt man mit einem handelsüblichen Wasserkocher gut hin.

Daher befällt mich ein gruseliges Gefühl, wenn ich von Konzernen wie Starbucks und Nestlé lese, die ein großes Geschäft wittern. Die Aussage von Starbucks klingt für mich auch eher nach einer Drohung:

Wir glauben, dass wir mit Tee Ähnliches vollbringen können wie mit Kaffee.
Quelle: Handelsblatt

Noch schlimmer wird es, wenn man sich die Webseite von Special T ansieht. Nestlé sperrt Tee in Kapseln und verkauft ihn zu einem Preis (0,37 pro Kapsel), der einen sprachlos zurücklässt. Das wäre umgerechnet ein Kilopreis von 185 Euro. Dafür bekommt man im Handel schon richtig guten Tee.

Tee kauft man im Fachgeschäft seines Vertrauens, was in Köln zum Beispiel das teehaus.cöln wäre. Darüber hinaus gibt es auch ein mehr als nur faires Angebot von der Teekampagne, wenn man Darjeeling mag. Alles andere ist eher etwas für Leute, die gelegentlich einen Tee trinken. Für passionierte Teetrinker ist das nichts.

Das was man Kaffee angetan hat, muss man nicht auch noch dem Tee antun. In dem Spruch „Abwarten und Tee trinken“ liegt etwas verborgen. Tee ist kein „Schnell, Schnell“ Getränk. Man nimmt sich Zeit dafür. Es muss nicht gleich eine Teezeremonie sein, aber ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit sollte man schon walten lassen. Wer dafür keine Zeit hat, sollte einfach etwas anderes trinken.

3 Replies to “Tee ist kein Kaffee”

  1. „… dass wir mit Tee Ähnliches vollbringen können wie mit Kaffee.“

    Sicher, aus Sch*** Gold machen haben sie mit Kaffee auch schon geschafft. Das Kilo Kaffee für 60-80,-€… und dabei kostet mich für den Alltag akzeptabler Bio(!)-FairTrade(!!)-Kaffee nur knapp sieben Euro pro Pfund. Und das Nestlé-Zeug schmeckt nicht einmal sonderlich…

  2. Stimme uneingeschränkt zu. Mit Tee kann man nicht so achtlos verfahren wie mit Kaffee und zu dem Irrsinn mit Kaffeepads / -patronen etc. habe ich eine ganz einfache Meinung: „Teuer, Umweltschädlich verpackt und schmeckt nicht besonders!“ Ich habe überhaupt kein Verständnis für Menschen, die auf diesen Blödsinn reinfallen.

    Und mein morgendliches Ritual mit grünem Tee (vorzugsweise Bio Bancha mit Pfiff von Keiko), Einhandkännchen und Thermometer geht quasi nebenbei, ohne fühlt sich irgendwie komisch an.

    In diesem Sinne, Lang lebe das Slow Food!

    1. Ich liebe es auch, früh morgens meine handgetöpferte japanische Teeschale zu halten und den Tee langsam zu genießen – Sorte wechselt dabei je nach Laune.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren