Ansichten eines Clowns

Ansichten eines Clowns

Die Herabwürdigung des politischen Gegners hat Tradition, auch in Deutschland. Beleidigungen gehören dazu und verhindern auch weitere politische Aufstiegschancen. Joschka Fischer, der in den 80er Jahren den Bundestagsvizepräsident als Arschloch bezeichnete, wurde immerhin deutscher Außenminister.

Auch in anderen Ländern sind die Sitten mitunter recht rau. Da wird gepöbelt und geprügelt. Auf europäischem Parkett schreckte selbst ein ehemaliger italienischer Ministerpräsident nicht davor zurück, den SPD-Politiker Martin Schulz mit einem Begriff aus dem Nationalsozialismus zu titulieren.

„Herr Schulz, in Italien gibt es einen Produzenten, der einen Film über Nazi-Konzentrationslager dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapo empfehlen. Sie sind perfekt!“
— Silvio Berlusconi: Diskussion im Europaparlament am 2. Juli 2003
Quelle: wikipedia

Das Perfide daran ist nicht nur der Vergleich an sich, sondern der Kontext. Ein Kapo war in den Konzentrationslagern ein Häftling, der für die SS andere Häftlinge beaufsichtigte. Opfer und Täter gleichermaßen.

Am Dienstag Abend hat Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Rahmen einer Veranstaltung sein Entsetzen darüber geäußert, dass in Italien bei der Wahl zwei Clowns gewonnen hätten.

Ein beruflich tätiger Clown, der auch nichts dagegen hat, wenn man ihn so nennt und ein anderer, der definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteronschub ist.

Auch wenn keine Namen gefallen sind, ist deutlich, wer die beiden Clowns sein sollen. Zum einen der Komiker Beppe Grillo von der 5-Sterne-Bewegung. Der andere wäre entsprechend Silvio Berlusconi.

Von sehr vielen Seiten wurde Peer Steinbrück für seine Äußerung kritisiert. Höhepunkt war gestern dann die Absage eines Treffen zwischen Steinbrück und dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano durch Napolitano.

Man kann den Vorfall unterschiedlich bewerten. Man kann auch direkt zielsicher das nächste Fettnäpfchen ansteuern und Steinbrück als „Peerlusconi“ bezeichnen, so wie es der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, getan hat.

Illegitim ist die Äußerung von Steinbrück jedenfalls nicht. Sie taugt auch nicht als Indikator dafür, ob er für das Amt des Bundeskanzlers geeignet ist oder nicht. Vielleicht war die Äußerung unbesonnen. Inhaltlich jedoch ist sie eher eine Verharmlosung wenn man Berlusconi als Clown bezeichnet. Meiner persönlichen Meinung nach ist er ein gefährlicher Mensch, der Italien in den Abgrund reissen kann und den Willen besitzt, das auch zu tun. Über Clowns lacht man. Bei Berlusconi kann man nur noch weinen.

2 Replies to “Ansichten eines Clowns”

  1. Dumm nur, da es nicht der erste verbale Fehltritt von Steinbrück ist. Ich erinnere daran, die Schweiz auf eine schwarze Liste der Steueroase setzen zu lassen, die so etwas wie die siebte Kavallerie in Fort Yuma sei, die man auch ausreiten lassen kann oder die Äußerung zum Kanzlergehalt, welches seiner Meinung nach zu niedrig wäre.

    Steinbrück täte gut daran sich in Contenance zu üben und etwas mehr Taktgefühl an den Tag zu legen. Ein künftiger Kanzler muss nicht zu alles und jedem seine Meinung äußern.

    Wie heißt es so schön: „Du beherrscht Deine Worte, aber einmal ausgesprochen beherrschen sie Dich.“

    1. Über Steinbrück lässt sich trefflich streiten. Taktgefühl hat er nicht, das stimmt. Schließlich ist er Schachspieler und kein Musiker ;-)

      Deine Kritik ann Steinbrück kann ich aber nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht teile. Was mich betrifft, so hoffe ich, dass er die „Beinfreiheit“ nicht überdehnt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren