Wasser des Lebens

„uisge beatha ab“ ist die ursprüngliche Schottisch-Gälische Bezeichnung für Whisky und bedeutet so viel wie „Wasser des Lebens“.

Selbst als passionierter Whisky-Trinker erkenne ich darin einen Pleonasmus, denn Wasser ist Leben (am Rande bemerk: „weißer Schimmel“ ist eigentlich nie ein gutes Beispiel, wenn man mal an Dinge wie Brie denkt). Darüber hinaus ist Wasser ein Menschenrecht. Der freie Zugang zu sauberem, trinkbaren Wasser überall auf der Welt sollte selbstverständlich sein. Von dem Wunschdenken sind wir weiter denn je entfernt.

Die federführend von EU-Kommissar Michael Barnier entworfenen Richtlinien über die Vergabe von Konzessionen zu Wasserversorgung wurde am Donnerstag im Binnenmarktausschuss der Europäischen Union abgesegnet. Sie hat damit eine weitere Hürde Richtung Umsetzung genommen. Das EU-Parlament wird dann im März darüber abstimmen. Die Erfahrungen beim Verbot der Glühbirne lassen das Schlimmste befürchten.

Barnier weisst den Vorwurf zurück, mit der Richtlinie würde sich die Wasserversorgung der Bürgerinnen und Bürger verschlechtern.

Die Wasserversorgung ist eine grundlegende Dienstleistung für die Bürger.
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier

Genau in dieser Auffassung liegt bereits das Problem. Es ist eben keine Dienstleistung, sondern ein Grundrecht. Bei der Wahrung dieses Grundrechtes vertrauen die Bürgerinnen und Bürger eher ihrem Staat als privaten Unternehmen, die vornehmlich am Gewinn orientiert handeln.

Das die Kritik an der Richtlinie berechtigt ist, lässt sich gut daran ablesen, wie bereits jetzt mit Trinkwasser umgegangen wird. Große Konzerne haben es in vielen Ländern geschafft, die Menschen davon zu überzeugen, in Plastikflaschen abgefülltes Wasser zu kaufen. Zu Preisen, die um ein vielfaches über dem liegen, was saubere Trinkwasser aus der Leitung kostet. Eben diese Konzerne werden sich besonders darüber freuen, wenn in Deutschland und anderen europäischen Ländern die Wasserversorgung privatisiert wird. Damit würde sie endlich die vollständige Kontrolle über die wichtigste Resource der Welt haben.

Vor dem Hintergrund einer angeblichen Transparenz werden die Bürgerinnen und Bürger enteignet. Wasser gehört uns allen und nicht etwa einigen Firmen oder Konzernen. Im Gegensatz zur Stromversorgung (die überwiegend in privater Hand ist) gab es zumindest in Deutschland kaum Grund zur Klage über die Wasserversorgung. Qualität und Preis stimmen. Und vielleicht ist genau das Problem.

Dieser Richtlinie muss mit vereinter Kraft entgegen getreten werden. Eine Gelegenheit dazu ist die Unterschriftenkampagne von right2water. Darüber hinaus sollte hierzulande Städte und Gemeinde prüfen, in wie weit sie ihre Wasserversorgung bereits privatisiert haben und diese gegebenenfalls rückgängig machen. In Köln ist der RWE-Konzern mittelbar zu 20 Prozent an der kommunalen Wasserversorgung beteiligt. Selbst in Zeiten knapper Kassen muss überlegt werden, ob das im Sinne der Bürgerinnen und Bürger ist.

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