Klappe zu

„Der deutsche Buchhandel steht nicht vor dem Abgrund, er ist schon längst einen Schritt weiter.“

Wenn man sich das Tempo ansieht, in welchem derzeit Buchhandlungen geschlossen werden, kann man weder als Leser noch als Autor ruhig bleiben. Vergangen Freitag berichtet der buchreport von erneuten Filial-Schließungen der Mayersche Buchhandlung. Betroffen sind Standorte in Lüdenscheid, Hamm und Bochum. Bereits im vergangen Jahr wurden Filialen in Leverkusen, Essen, Köln und Iserlohn geschlossen.

Dabei ist die Mayersche nicht der einzige Filialist, der sich auf dem Rückzug aus der Fläche befindet. So gibt es künftig in der Kölner Innenstadt nur noch eine Mayersche, Thalia hat am Neumarkt bereits kapituliert. Gründe für das Verschwinden der Buchhandlungen gibt es viele. Es ist daher einfach zu sagen, woran es nicht liegt. Nach wie vor gibt es Menschen, die Bücher lesen und diese auch kaufen. Es wird auch nicht ausschließlich online bestellt, den ansonsten hätte zum Beispiel Köln nicht rund 130 Buchhandlungen.

Bei amazon gibt es keine Autorenlesung mit Sektempfang.

Daher liegt die Vermutung nah, dass nicht Bücher vom Aussterben bedroht sind, sondern große, verwechselbare Buchhandlungen. Spezialisierte Buchhandlungen oder inhabergeführte Ortsteilbuchhandlungen scheinen nach einer längeren Durststrecke wieder die Nase vorn zu haben. Aber auch das kann sich ändern.

Die spannendste Frage für 2013 ist in diesem Zusammenhang nicht die, ob künftig mehr online Verlauft wird oder nicht, sondern in welcher Form Bücher verkauft werden. Die Entscheidung zwischen einem gedruckten Buch und der eBook-Version. Die Anzahl der verkaufen eBooks hat sich in den letzten Jahren in Deutschland verdoppelt. Vergangenes Jahr sollen es rund 12 Millionen verkaufte eBooks gewesen sein.

Bei den Lesegeräten geht der Trend derzeit weg von den Spezialisten mit E-Ink, die sich selbst bei strahlendem Sonnenschein lesen lassen hin zu multifunktionalen Tablet-Computern.

Prognosen wie diese hier zeigen eine weitere Zunahme der eBooks. Das in Bezug auf eBooks ein Verdrängungsprozess stattfinden wird, dürfte nachvollziehbar sein. Dieser wird vermutlich aber nicht zu Lasten der kleinen Buchhandlungen gehen, sonder die großen Filialisten treffen. Ebenfalls wahrscheinlich ist eine Verschiebung. Diejenigen, die bisher bereits den größten Teil ihrer Bücher online bestellt haben, besitzt eine höher Affinität für diese Art des Kaufens. Es ist dann nur noch ein kleiner Klick zur digitalen Version des selben Buches. Diese Käufer von eBooks gehen dem stationären Buchhandel nicht verloren, denn sie sind schon verloren.

Der Buchhändler „um die Ecke“ muss keine eBooks anbieten, um überleben zu können. Wohl aber ein handverlesenes Sortiment für Menschen, die gerne ein gedrucktes Buch zu Hand nehmen. Die Filialisten werden setzten bereits auf den Online-Verkauf, auch von eBooks. Sie werden sich für den stationären Handel ein neues Konzept überlegen müssen oder erleben, wie die letzte Klappe für sie fällt.

Kommentar verfassen