Blonde Volleyballspielerinnen

Die Sportberichterstattung in der Zeitung, egal in welcher, interessiert mich nicht und hat mich auch noch nie interessiert. Im Normalfall hätte ich daher auch die Reportage „Im Reich der Kugel“ in der heutigen Ausgabe des Kölner Stadt-Anzeigers nicht gelesen.

Da es aber um Aserbaidschan ging und ich auch aus gewissen Gründen immer noch eine Affinität zu Volleyball habe, las ich den Artikel heute Morgen auf der Fahrt zum Büro. Gut geschrieben zeigte er, das auch Sportler(innen) eine ähnliche Naivität aufweisen wie die Sänger des letzten Eurovision Song Contest.

Über die politische Situation in Aserbaidschan kann man diskutieren. Für die Gesellschaft deutlich wenige relevant, für Autoren aber möglicherweise ähnlich spannende ist folgender Satz aus der Reportage:

Alle Frauen sind groß, neun sind blond, drei haben dunkle Haut.
Quelle: KSTA, 09.01.2013, S. 12

Die Frauen sind groß. Unbestritten. Und sie sind blond. Genau das ist es, worüber ich stolperte. Natürlich kann man das einfach so stehen lassen. Man muss aber kein Kritikaster sein, um sich an der Verwechselung von Eigenschaften und Merkmalen zu stören. Besser wäre es zu schreiben, die Frauen haben blonde Haare. Denn während es bei der Körpergröße klar ist, dass sich dies auf ein unveränderliches Merkmal bezieht, ist das bei den Haaren etwas schwieriger.

Die Haarfarbe gehört zu den eher veränderlichen Merkmalen. Zudem wird gerade die Haarfarbe gerne auch als Eigenschaft verwendet:

Man bist du blond.

Vermutlich hatte der Autor der Reportage solches nicht im Sinn (unterstellen wir ihm mal einfach). Beim schreiben macht es allerdings einen Unterschied, ob ich Figur Merkmale oder Eigenschaften mit auf den Weg gebe und in welcher Weise ich das als Autor sprachlich zum Ausdruck bringe.

Im Krimi lässt sich das zudem gezielt einsetzen. Wenn jemand Linkshänder ist (Eigenschaft) und einen Erpresserbrief mit der rechten Hand schreibt. Oder ein Zeuge bemerkt einen verdächtigen Mann, der humpelt (lassen wir außer Acht, dass Klischee-Bösewichte häufig eine Entstellung oder Handicap haben). Spannende Frage: ist das Humpeln eine Eigenschaft oder ein Merkmal?

Ich tendiere dazu, es als Merkmal zu bezeichnen. Es muss nicht mal ein unveränderliches Merkmal sein, denn der Mann kann sich auch verstellen und das Humpeln nur vortäuschen. Einen Ermittler einen humpelnden Mann suchen zu lassen, der gar nicht humpelt, bietet interessante Möglichkeiten für den Plot.

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