Bitte nicht stören

Bitte nicht stören

Das Apple sich mit dem aktuellen Fehler im iOS nicht mit Ruhm bekleckerte hat, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Wobei mir der Bug nicht ungelegen kommt. Erst am 7. Januar muss ich wieder ins Büro, genieße daher die ruhigen Tage, die dank Apple noch ein wenig ruhiger sind.

Für den Weihnachtsurlaub hatte ich mir fest vorgenommen, abzuschalten, die Seele baumeln zu lassen, wie man so schön sagt. So ganz gelang das nicht. Mit der diesjährigen Weihnachtsgeschichte habe ich mir keinen besonderen Gefallen getan – ich hoffe, man merkt ihr die Mühe, die ich mit ihre hatte, nicht all zu sehr an.

Es gab aber auch noch andere Sachen, die mir nebenbei durch den Kopf ging und worüber ich am liebsten sofort gebloggt hätte. Vielleicht ist es ganz gut so, dass ich es nicht getan habe und mit etwas Abstand heran gehen kann. Oft ist es wirklich besser, mehrmals über eine Sache zu schlafen bevor man mit einer Aussage an die Öffentlichkeit geht. Selbst wenn man sich nicht nur subjektiv im recht befindet.

Ob genau das Peer Steinbrück geholfen hätte, lässt sich schwer sagen. Ganz persönlich bin ich auch hin und hin- und hergerissen was seine Aussage, die Bundeskanzlerin bzw. der Bundeskanzler würde zu wenig verdienen, angeht. Unrecht hat Steinbrück nämlich nicht. Derzeit sind es rund 220.000 Euro, die Angela Merkel pro Jahr (steuerfrei) bekommt. Zum Vergleich: Das Jahresgehalt des Geschäftsführer der Kölner Stadtwerke beläuft sich auf 757.900 Euro. In welcher Weise damit ein Wertung der Verantwortung zum Ausdruck gebracht wird, kann jeder für sich selber beurteilen.

Ebenfalls dürften die meisten von uns wissen, wie es am anderen Ende der Einkommensskala aussieht. Das was zum Beispiel Krankenschwestern und Streifenpolizisten für ihre Tätigkeit bekommen, steht im Widerspruch zu ihrer Leistung.

Kommen wir aber noch mal zurück zu Steinbrück. Man kann bei ihm viel annehmen, aber kaum, dass er eine Aussage, die so viel Wirbel erzeugt hat, versehentlich getätigt hat. Der Mann ist Schachspieler. So etwas muss man sich in Erinnerung rufen. Er wird sich also etwas dabei gedacht haben. Steinbrück hat auch nach seiner Wahl zum Kanzlerkandidaten ausdrücklich gesagt, er werde seine Füße nicht still halten.

Vor dem Hintergrund sollte man sich noch mal genau überlegen, was Steinbrück für ein Typ Politiker ist. Er leistet sich eine eigene Meinung und äußert diese auch dann, wenn er genau weiß, dass er damit aneckt. Hinterher kann jeder behaupten, er wäre mit seinem Gehalt zufrieden, obwohl er es in Wirklichkeit gar nicht ist. Die Rolle der selbstlosen Bundeskanzlerin nimmt Frau Merkel niemand wirklich ab.

Peer Steinbrück hat keine „Bitte nicht stören“-Funktion, mit der die SPD beruhigt das Wahljahr 2013 überstehen kann. Und ganz ehrlich: das ist kein Bug, sondern ein Feature.

2 Replies to “Bitte nicht stören”

  1. Meiner Meinung nach ist das Gehalt der Bundeskanzlerin nicht zu niedrig, sondern das der Manager viel zu hoch. Mit so einer Aussage hätte Herr Steinbrück Sympathiepunkte sammeln können bei mir. Und nicht damit, dass ein Kanzlerkandidat versucht, das Gehalt für einen Posten, den er gerne bald selber bekleiden würde, in die Höhe zu treiben!
    Es ist sowieso ein Unding, dass Politiker sich quasi selber ein Gehalt geben. In welcher Firma ist es denn so, dass die Mitarbeiter abstimmen können wie ihr Gehalt demnächst aussehen wird?

  2. Wenn der Herr Steinbrück sein künftiges Kanzlergehalt für zu gering befindet, dann soll er doch bitte sein Mandat zurückgeben und sich Ex-Kanzler Schröder anschließen und in die Wirtschaft gehen. Sein Gehalt bessert er ohnehin mit Vorträgen auf, der Wechsel sollte ihm also leicht fallen.

    Das nötige Maßhalten löst sich bei unseren Politikern bei der nächsten Diätenerhöhung sowieso in Schall und Rauch auf. Die Krankenschwester kann von diesen Bezügen nur träumen.

    Für mich als Wähler hat sein Geschwätz jedenfalls nachhaltig gewirkt, abgerechnet wird auf dem Wahlschein.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren