Aller Tage Abend, Teil XI

Dittmann wollte den Mörder von Frau Doll stellen. Er ganz allein, ohne seine ehemaligen Kollegen. Noch immer fühlte er sich als Polizist, auch wenn er es nicht mehr war. Dabei unterliefen ihm Fehler. Mehr noch als vor seiner Pensionierung.

Die Eigensicherung hatte er genauso vergessen wie das Schließen der Wohnungstür von Frau Doll. Daher bemerkte er nicht, wie jemand hereinkam. Dank seines nach wie vor guten Gehörs konnte er allerdings nicht überrascht werden. Dittmann drehte sich um und sah den Mann, den er für Bernd Berger hielt, im Flur der Wohnung von Frau Doll stehen. Noch immer hielt Dittmann den Eimer in der Hand.

„Das ist mein Mülleimer, den sie da haben.“

„Was sie nicht sagen. Merkwürdig nur, dass ich ihn hier in der Wohnung gefunden habe.“

Wieder diese Geste, mit der sich der Mann die Haare aus dem Gesicht strich.

„Den habe ich wohl bei meinem letzten Besuch vergessen.“

„Sie meinen wohl, sie haben ihn vergessen, als sie eilig die Wohnung von Frau Doll verließen. Selbstverständlich nach dem sie erschossen haben.“

„So ein Blödsinn. Die blöde Kuh hat niemand erschossen, die ist erstickt.

„Interessante Feststellung. So etwas können sie nur wissen, wenn sie der Mörder waren.“

„Tatsächlich? Gut beobachtet Herr Nachbar. Genauso gut könnte es aber sein, dass sie Frau Doll getötet haben. Schließlich sind es ihre Fingerabdrücke, die sich hier in der Wohnung befinden.“

Erst jetzt fielen Dittmann die Handschuhe auf, die der Mann trug.

„Das kann ich der Polizei erklären.“

„Falsch. Sie könnten es erklären, wenn sie beim Eintreffen der Polizei noch leben würden. Lassen sich mich ihnen erklären, wie ich die Sache sehe. Die Wohnungstür stand auf, ich habe sie überrascht, sie wollten mich töten und ich habe in Notwehr gehandelt.“

„Fehlt aber dann noch mein Motiv.“

„Ach wissen sie, schließlich haben sie doch über Frau Doll gewohnt und den Dackel ertragen müssen, nicht ich. Entnervter Rentner dreht durch und erschlägt seine Nachbarin. So was kommt vor.“

„Mich würde nur noch interessieren, warum Frau Doll sterben musste.“

„Das habe ich ihnen doch gerade erklärt.“

„Nein, ich möchte wissen, warum sie es getan haben.“

„Weil ich es konnte.“

Im Haus knallte ein Fenster zu. Für einen kurzen Moment drehte sich der falsche Herr Berger um. Dittmann nutzte die Gelegenheit. Der Mülleimer traf den Mann hart an der rechten Schläfe. Im Sturz riss er nicht nur die Häckeldecke vom Schuhschrank, sondern schlug auch ungünstig mit dem Kopf auf die Kante des Möbelstücks.

Von dem auf dem auf dem Boden liegenden toten Dackel stammt ein hässliches Geräusch, als der Mann mit seinem ganzen Gewicht auf ihn fiel. Dittmann vermied es, den Mülleimer unkontrolliert fallen zu lassen. Vorsichtig schritt er über die beiden Körper hinweg. Hinter sich schloss er die Tür der Wohnung ab. Dann stellte er den Mülleimer vor die Wohnung seines Besitzers. Den Rest würde er nach Weihnachten erledigen.

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