Aller Tage Abend, Teil VII

Entweder hatte jemand Frau Doll festgehalten und zugesehen, wie sie erstickte, oder sie war mit etwas gefesselt worden. Ausgehend vom heutigen Tag tippte Dittmann auf Geschenkband. Eine etwas perverser Art, sich bei jemanden zu bedanken.

Da sich keiner der Gegenstände in der Wohnung von Frau Doll befanden, vermutet Dittmann sie außerhalb. In seltene Fällen nahm der Täter improvisiertes Mordwerkzeug mit, um es als Andenken aufzubewahren. Meistens versuchte der Mörder, es unterwegs unauffällig zu entsorgen. Dittmann schloss die Wohnung von Frau Doll sorgfältig ab. Dann begab er sich nach draußen zu den Mülltonnen.

An der Haustür stieß mit einem Mann zusammen. Dunkle Cordhose, Parker, Hornbrille und längere Haare, die bewusst keine Frisur ergeben sollten.

„Entschuldigung.“ Ein weiterer Bewohner, der nicht über die Feiertage weg gefahren war. Bernd Berger drängte sich an Dittmann vorbei ins Haus, noch bevor Dittmann ihm eine Frage stellen konnte. Als direkter Nachbar von Frau Doll könnte er möglicherweise etwas bemerkt haben. Dittmann nahm sich vor, ihn später aufzusuchen.

Wie immer quoll der Müll bereits Tage vor dem Abfuhrtermin aus den Tonnen. Getrennt wurde im Haus nicht, alles wanderte in drei Behälter. Zu wenig für die Bewohner des Hauses. Dittmann hob den Deckel jeder Tonne hoch und machte sich dran, die oberste Schicht Müll zu durchsuchen. Keine angenehme Tätigkeit, aber wenn dort etwas lag, würde er es finden.

In keiner der Tonnen fand Dittmann Geschenkband oder eine Vase. Dafür wirkte der Müll so, als wenn jemand vor ihm bereits nach etwas gesucht hatte. Hinter einer der Tonnen entdeckte Dittmann einen Brief der Dukata. Adressiert an Berger. Noch jemand, der sich nicht über diese Art von Weihnachtspost gefreut hatte. Soweit sich Dittmann erinnerte, wohnte Berger erst sei knapp vier Monaten im Haus.

Ohne den Brief zu lesen, nah Dittmann ihn erstmal ansich. Was darin stand, konnte er sich denken. Zurück in seiner Wohnung griff er zum Telefon und wählte die Nummer der Immobilienverwaltung. Mehrfach ließ er es klingeln, dann sprang der Anrufbeantworter an. Man sei erst im neuen Jahr wieder erreichbar. In dringenden Fällen sollte man sich an den Hausmeister wenden.

Dittmann legte auf. Bisher war er noch nie einem Hausmeister begegnet. Die kaputte Lampe im Flur wurde auch von einem der anderen Mieter ausgewechselt. Für ihn stand fest, dass jemand von der Hausverwaltung etwas mit dem Tod von Frau Doll zu tun haben musste. Bis zum neuen Jahr wollte er auf keine Fall warten. Bis dahin würde auch die Abwesenheit von Frau Doll anderen aufgefallen sein. Den Geruch wollte er zudem auch niemand im Haus zumuten.

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