Tagebuch eines Krimilesers, Teil IV

Derzeit lese ich eine Krimi, dessen Name aus Gründen nicht genannt werden möchte. Gehen wir einfach davon aus, er befände sich in einem Zeugenschutzprogramm – die Wahrheit ist leider viel trauriger.

Seite um Seite kämpfe ich mit mir, das Buch nicht aus der Hand zu legen bzw. das eBook nicht umgehend von meinem Reader zu löschen. Die Probleme des Krimis treten immer deutlicher hervor. Neu eingeführte Figuren sind nur noch flach, ein grundlegendes Verständnis des Autors in Bezug auf die Arbeit der Polizei scheint zu fehlen. Trauriger Höhepunkt heute war jedoch eine Szene, die so nicht vorstellbar ist. Glaubwürdigkeit bei den allermeisten Romanen wichtig. Selbst bei Fantasy oder Science Fiction Erzählung muss die Glaubwürdigkeit innerhalb der geschilderten Welt vorhanden sein.

Zur Glaubwürdigkeit gehört die Wahrscheinlichkeit. Insbesondere in einem Roman passiert nicht zufällig. Wenn sich die Wege zweier Figuren mehrfach kreuzen, dann hat das einen Grund. In der Regle ist es der, dass es der Autor so wollte. Unglücklicherweise ist das eine denkbar schlechte Begründung.

Der Protagonist triff am Bahnhof ein attraktive Frau. Mehre Kapitel später trifft der die selbe Frau noch mal in seinem Lieblingsrestaurant. Noch später stellt sich heraus, dass diese Frau die Staatsanwältin ist, die seinen Fall bearbeitet. Gegen Ende des Buches stiegen beide nach einem erneuten Besuch im Lieblingsrestaurant miteinander ins Bett.

Das ist nicht zufällig, sondern war vom Autor so geplant. Wie wahrscheinlich das ist, kann jeder für sich selber beantworten. Bei Figuren kann auch schnell Glaubwürdigkeit verspielt werden, wenn sich zum Beispiel der Protagonist in zwei identischen Situation völlig unterschiedlich verhält ohne das es eine Entwicklung gab. Der Leser bekommt den Eindruck, der Autor habe seine Figuren nicht im Griff und wisse nicht genug über sie.

Häufig passiert so etwas, wenn der erste Entwurf ziemlich identisch mit der finalen Version ist. Etwas im NaNoWriMo geschriebenes muss auf jeden Fall überarbeitet werden. Es gibt auch einen bestimmte Stil, den man einem Werk noch anmerken kann. Typisch für den NaNoWriMo sind Abschweifungen und Ausführungen, die die Handlung nicht vorantreiben und nur dazu da waren, auf seinen word count zu kommen. So was sollte bei einer Überarbeitung unbedingt gekürzt werden.

Tödliche langweilig sind die sogenannten Infodumps – die Zwangsversorgung des Lesers mit Informationen und Fakten, ohne dass diese in die Handlung elegant eingebunden sind. Was bei Schachbüchern didaktisch geschickt vermittelt sinnvoll sein kann, geht in der Prosa nicht.

Gemeinsam mit seiner Freundin fuhr Dennis nach Frankreich in die Provence. Der Name Provence stammt aus der Zeit der römischen Herrschaft, vom lateinischen provincia. Als eine der ersten und am stärksten romanisierten Regionen außerhalb Italiens gehörte sie zur Provincia Narbonensis. (aus wikipedia.org)

Wenn man als Autor unbedingt den Oberlehrer spielen will, sollte man die Informationen in die Handlung einbetten. Wichtig ist hierbei die glaubwürdige Einbettung. Wenn Dennis aus dem Beispiel oben sich für Geschichte und Landeskunde nicht interessiert, wer er kaum seiner Freundin die Details zur Provence erzählen. Auch wird keine Figur mitten in einer heißen Liebesszene unvermittelt sagen „Ach Schatz, weiß du eigentlich, woher die Bezeichnung Provence stammt?“

Übrings wird dieser Fehler auch in einigen James Bond Filme gegangen. Wenn Bond im Büro von M steht und von ihm gefragt wird:

Bond, was wissen sie über Moonraker?

Worauf der Doppelnull-Agent brav sämtlich Fakten herunterrasselt.

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