Konflikte als Motor

Ein Roman ohne Konflikte wäre vor allem eins: langweilig. Konflikte sind Motor der Handlung. Der Held einer Geschichte hat einen Gegenspieler. Protagonist versus Antagonist.

Dabei muss der Antagonist nicht immer eine weitere Figur sein. Auch ein innerer Konflikt kann gut erzählt einen spannenden Roman ergeben. Gegenspieler des Helden können auch widrige Umstände sein. Bei der Besteigung eines Berges oder der Entdeckung des Nordpols gilt es, Hindernisse zu überwinden in dem man gegen sich selbst und die Natur kämpft. Hindernissen dürften fr den Helden weder zu leicht noch zu schwer zu überwinden sein. Ideale Hindernisse sind die, die der Protagonist dadurch überwindet, in dem er über sich hinauswächst.

Konflikte sollten, außer in einer Parodie, niemals lächerlich und glaubwürdiger Bestandteil der Handlung sein. Ebenso passieren Dinge innerhalb eines Romans nicht zufällig. Das Telefon ist nicht plötzlich defekt, nur damit die Frau, die sich verfolgt fühlt, nicht die Polizei anrufen kann. Die Frage, ob man sein Müsli morgens besser mit kalter oder warmer Milch essen möchte, mag in der Realität vielleicht über den Ablauf des restlichen Tages bestimmen, ist aber innerhalb einer Erzählung belanglos.

Im Krimi ergibt sich der Grundkonflikt fast von selber. Auf der einen Seite steht der Protagonist in der Rolle des Ermittlers, auf der anderen Seite der Antagonist als Täter, gar Mörder. Während der Protagonist mit allen Mittel versuchen wird, das Verbrechen aufzuklären, wird er Antagonist genau dies verhindern wollen. Spannender wird dieser Grundkonflikt dadurch, dass sich nicht Gut und Böse gegenüber stehen, sondern glaubwürdige Figuren mit eigenen Motiven. Je besser der Leser die Motive des Antagonisten nachvollziehen kann, desto stärker wird der Plot. Dabei ist es nicht notwendig, Sympathie für den Antagonisten zu entwickeln (was der Autor allerdings sollte), sondern es reicht, wenn man versteht, warum die Figur so handelt wie sie handelt.

Die Motive des Protagonisten müssen auch nicht immer nur edel und gut sein. Bei einem Polizisten ist es halt der Beruf, einem Privatdetektiv geht es möglicherweise nur um das Geld, welches er von seinem Auftraggeber zu bekommen hofft.

In der Dramen-Theorie unterscheidet man zwischen statischen, sprunghaften und sich entwickelnden Konflikte (vgl. Literarisches Schreiben, WikiBooks). In statischen Konflikten gibt es keine Weiterentwicklung. Die Handlung kommt nicht in Gang oder der der Motor wird abgewürgt.
Sprunghafte Konflikte sind solche, bei dem von einem Zustand zu anderen gewechselt wird, ohne dass es einen erkennbaren Grund gibt.

Elisabet saß mit Vater am Tisch. Scherzend unterhielt sie sich mit ihrem Vater. Als der Diener das Desert brachte, stand Elisabet auf und verpasste ihrem Vater eine Ohrfeige.

Der Leser wird sich an der Stelle fragen, was Elisabet zu dieser Handlung veranlasst hat. Selbst wenn es einen nachgeschoben Grund gibt, ist es nichts, was sich entwickelt hat. Was genau das richtige Stichwort ist. Sich entwickelnde Konflikte dienen nicht nur dazu, die Figuren in allen Facetten zu zeigen, sondern erhöhen auch die Spannung.

Timo liebt Mara, hat aber kein Geld, ihr das versprochene große Geschenk zum Geburtstag zu kaufen. Er fürchtet, Mara zu verlieren. Auch weiss er, dass der reiche Ex-Freund von Mara nicht aufgegeben hat um Mara zu werden. Ein Freund bittet Timo, ihm bei Verkauf eines Autos zu helfen. Die beiden Männer beschließen, das Auto nicht zu verkaufen, sondern den Käufer zu berauben. Es kommt bei der Übergabe des Geldes zu einem Handgemenge in Folge dessen der Käufer vom Freund so schwer verletzt wird, dass er stirbt. Timo und sein Freund flüchten mit Auto und Geld. Sie teilen ihre Beute. Einen Tag später erzählt Mara ihm, dass ihr Onkel versucht habe, ihr ein Auto zu kaufen und dabei erschossen wurde.

Der Konflikt in den Beispiel entwickelt sich. Am Anfang wollte Timo lediglich Geld haben, um seinen Nebenbuhler auszustechen. Jetzt muss er sich entscheiden, ob er Mara die Wahrheit erzählt oder nicht. Dabei geht es auch darum, wie loyal er zu seinem Freund steht. Schließlich kommt auch noch die Polizei ins Spiel, die versuchen wird, das Verbrechen aufzuklären. Verheimlicht Timo Mara die Wahrheit zunächst, bietet es Stoff für sich einen abzeichnenden Konflikt, wenn zu einem Späteren Zeitpunkt doch die Wahrheit ans Licht kommt. Oder aber Timo kommt davon, heiratet Mara und muss mit seinem schlechten Gewissen leben. Auch vorstellbar, dass die beiden heiraten, Timo zu Geld kommt und von seinem Freund, der die Verantwortung für die Tat alleine auf sich genommen hat, erpresst wird.

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