Prolog Reloaded

In Bezug auf die Verwundung von Prologen halte ich mich eigentlich an den Tipp von Elmore Leonard. Er empfiehlt, Prologe und Vorgeschichten zu vermeiden, weil sie in der Regel nerven.

Als Leser hatte ich bisher, insbesondere im Genre Krimi, genau diesen Eindruck. Da wurde teilweise einfach einfach Szenen aus einem späteren Kapitel verkürzt als Prolog verwendet. Oder geradezu lyrisch Naturereignisse heraufbeschworen – wenn nicht noch schlimmeres. Gerade unerfahren Autoren nutzen Prologe häufig, um die Geschichte vor der Geschichte zu erzählen und packen alles in den Prolog hinein, was nicht mehr in die Haupthandlung passte, aber doch irgendwie wichtig erschien.

Neben Leonard empfehlen auch andere Schreibratgeber, auf einen Prolog vollständig zu verzichten. Die Autoren der „Romanwerkstatt. Das Handwerk des kreativen Schreibens“ gehen einen anderen Weg. Sie zeigen praxisnah und überzeugend, wann ein Prolog sinnvoll sein kann. Aber nicht nur das. Ihr Beispiel verdeutlich auch, dass ein guter Prolog den Roman abrunden und zu einem gelungen Gesamteindruck beitragen kann.

Im Buch findet sich auch eine gute Definition dessen, was ein Prolog leisten sollte:

Der Prolog schildert in der Regel eine zeitlich aus dem Handlungsbogen herausgehobene und isolierte Szene, deren Einordnung in den Gesamtzusammenhang sich erst später ergibt.

Ausbauen lässt sich der Prolog zu einer Rahmengeschichte, die eine Klammer bildet um die eigentliche Handlung. Wie das funktioniert, wir im Buch (das ich an dieser Stelle schon mal jedem empfehlen kann) eindrücklich bewiesen.

So was bietet sich insbesondere dann an, wenn die gesamte Handlung in der Rückblende statt findet. Eine Figur, möglicherweise der Protagonist, sitzt im Büro und räumt die Schuladen seines Schreibtisches aus (Prolog). Im Roman wird dann erzählt, was zu diesem Punkt führte. Im Epilog steht die Figur von seinem Stuhl, der nicht mehr seiner ist auf, legt seinem Vorgesetzten den Türschlüssel auf den Tisch, nimmt seine Sachen und geht.

Für mich bedeutet das, meine grundsätzlich ablehnenden Haltung dem Prolog gegenüber ein Stück weit in Frage zu stellen. Schön wäre es allerdings, auch noch mal ein gelungenes Beispiel aus der „freien Wildbahn“ zu haben. Ansonsten bleibt es bei dem, was Leonard vorschlägt. Lieber auf einen Prolog verzichten als direkt schon am Anfang einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Schlechte Prologe entkräften nämlich den narrativen Haken des ersten Kapitels und den hoffentlich starken ersten Satz.

Kommentar verfassen