Klischee im Krimi

Der Grund, warum ich früher keine Krimis gelesen habe ist immer noch der Gleiche. Die Angst vor billigen Klischees, die auch in diesem Genre nicht unberechtigt ist. Im Unterschied zu früher lese ich mittlerweile nicht nur Krimis, sondern auch solche, die mit haarsträubend noch höflich bezeichnet wären. Mich treibt die Hoffnung durch die Texte, aus den Fehlern anderer lernen zu können. Zumindest möchte ich keinen Krimi schreiben, der sich aus den üblichen Schubladen bedient. Serienkiller, Auftragsmörder, schwere Kindheit – alles bekannt und in unendlichen langweiligen Variationen verwenden und auf Grund von Spannungssteigerung mit literweise Blut abgeschmeckt, wobei abgeschmackt besser passen würde. Allein das Vorkommen eines dieser Klischees wäre für mich Grund genug, die Lektüre des Krimis sofort zu beenden.

Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit, dennoch lohnt sich sowohl für Leser als auch Autoren ein Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik. Letztes Jahr gab es bundesweit 2 174 Tötungsdelikte mit einer Aufklärungsquote von 96,1 Prozent. Besonders entscheiden ist dieser Satz aus der Statistik:

Bei vollendetem Mord und Totschlag waren bei zwei Dritteln der Opfer Verwandte oder nähere Bekannte tatverdächtig.

Mit anderen Worten: in der überwiegenden Zahl der Fälle stammt der Täter aus dem so genannten näheren Umfeld. Wer sich mit der Thematik näher beschäftigt, wird feststellen, dass die wenigsten Taten aus heiterem Himmel verübt wurden. Es gibt immer eine Vorgeschichte, in viele Fällen auch eine Steigerung der Gewalt. Für einen guten Krimi empfiehlt es sich daher nicht, mit einfacher schwarz-weiß Malerei die Handlung hinzupinseln. Das ist leichter gesagt als getan, denn es ist zugegeben wirklich anstrengen, sich eine originell und spannenden Handlung auszudenken oder von wahren Fällen herzuleiten. Aber es hat auch niemand behaupten, dass Krimis schreiben einfach ist.

Genug der Theorie, denn ohne Beispiel lässt sich viel behaupten. Im diesjährigen NaNoWriMo schreibe ich mal wieder an einem Krimi. Bei den Vorüberlegungen zur Handlungen entstand im Oktober die Idee, die Stufe einer Gewalteskalation im Krimi aufzunehmen. Der erst Tote zu Beginn ist Opfer eines Unfalls geworden. Allerdings, und das zeichnet sich im weiteren Verlauf ab, wurde er verfolgt. Der Tod kam dem Verfolger nicht ganz ungelegen, war so aber nicht beabsichtigt gewesen.

Seiten weiter gibt es dann die nächste Leiche. Eine Frau wurde auf brutale Weise erschlagen. Wie sich herausstellt, gab es eine heftige Diskussion zwischen ihr und dem späteren Mörder – die gleiche Person, die zuvor mit für die erste Leiche verantwortlich war. Totschlag im Affekt, diesmal.

Auf Grund weiterer Ereignisse wird der Mörder erpresst. Die Forderungen kann er nicht erfüllen, er beschließt daher, seinen Erpresser zu töten. Ein vorsätzlicher Mord.

Für das, was ihn dazu getrieben hat, gibt es auch keine einfache Erklärung. Die Kindheit meines Mörders war eher behütet, geprägt von Verständnisvollen Eltern. Manchen Menschen ist das aber genug, sie wollen mehr erreichen. Dabei kann es sogar passieren, dass sie obwohl sie nur helfen oder zumindest keinem schaden wollten in einen Strudel der Ereignisse gezogen werden und die zunehmende Gewalt sich aus der Dynamik ergibt.

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