Übergangszeit

Der Sommer hat sich definitive verabschiedet, wie von fachkundigen Taxifahrern zu hören ist. Statt eines sanften Übergangs zeigt uns der Herbst jetzt seine kalte Schulter, ungemütliches Wetter bricht über uns herein. Dabei ist es noch nicht richtig kalt. In vereinzelten Wärmephasen verlocken tückische Sonnenstrahlen dazu, doch weniger anzuziehen, als der Gesundheit gut tun würde. Der ideale Zeitpunkt, sich eine Erkältung einzufangen.

Der November steht kurz bevor, dann verschwinden nicht nur die restlichen Blätter von den Bäumen, sondern der Übergang ist vollzogen. Graue Herbsttage, erst Mitte Dezember kommt der kalendarische Winter. Mit Glück, viel Glück, bedeckt irgendwann gegen Ende des Jahres Schnee das trostlose Grau. Aber noch ist der November nicht da, Donnerstag, in drei Tagen.

Für mich beginnt dann auch der National Novel Writing Month (NaNoWriMo) – ich erwähnte es bereits, und vermutlich nicht nur einmal. Die Figuren stehen, der Plot ist soweit ausgearbeitet, hier und da schon etwas recherchiert. Alles perfekt vorher zu haben, werden ich wieder mal nicht schaffen. Kurz vor Beginn, ist auch inBezug auf das Schreiben eine Art Übergangsphase. Nervosität macht sich breit, die Frage, ob man es diesmal (wieder) schaff, drängt sich in den Raum. Im Kopf geht man dann noch mal all die Dinge durch, die man vorbereitet hat. (Arbeits-)Titel festgelegt. Pitch der Roman-Idee aufgeschrieben. Kapitel festgelegt. Siebenunddreißig sind das bei mir. Mir reicht das nicht aus. Meine Kapitel haben, zumindest in meiner Plot-Arbeitsfassung, alles Titel, die mir einen ersten Hinweis auf den Inhalt des jeweiligen Kapitel geben. Zudem habe ich in den letzte zwei Wochen zu jedem Kapitel eine Zusammenfassung des Inhalts geschrieben (auf die Karteikarte in Scrivener). Der Point of view für das Kapitel liegt zudem auch fest. Auch für spannende Übergänge zwischen den Kapitel ist gesorgt, die unterschiedlichen Handlungsstränge wechseln sich ab.

Und trotzdem, die Frage, ob es reicht, bleibt. Habe ich die Handlungszeit im Überblick? Noch immer nicht. Wie sieht es mit bestimmten, wichtigen Ereignissen aus? Auch fehlte die Zeit für ausgiebige Recherche. Mein Vorteil ist der Heimvorteil. Die Landschaft und Stadt, wo der Krimi spielen wird, kenne ich recht gut – einer der Gründe, warum mein NaNoWriMo-Roman 2011 mir noch sehr viel Arbeit machen wird.

In einer ganz anderen Hinsicht ist für mich der diesjährige NaNoWriMo auch eine Art Übergang. Der Wille, das Ergebnis veröffentlich zu sehen, ist stark ausgeprägt. Bestimmte Ereignisse werden im Krimi vorkommen, weil ich eine klare Zielgruppe ins Auge gefasst habe. Für mich ist das aber kein (fauler) Kompromiss oder etwas, wofür ich mich verbiegen müsste. Es ergibt sich aus dem Genre und der Art, wie ich auch den neuen Krimi gedenke zu schreiben. Nicht nur inhaltlich knüpfe ich an den ersten Niederrhein-Krimi an, sondern auch in gewisser Hinsicht stilistisch. Letzte Jahr war ich zu ambitioniert, das merkt man dem Ergebnis in negativer Hinsicht auch an. „Altmetall am Altrhein“ hat eine gewisse Leichtigkeit, die mir auch mit fast zwei Jahren Abstand immer noch gefällt. Auf Anfang meines allersten Krimis überhaupt bin ich nach wie vor sehr stolz. Mit ein Grund, warum ich am Ende des Novembers, wenn die Fortsetzung geschrieben ist, an die Überarbeitung des Erstlings gehen werde. Er muss, er soll, nein er wird veröffentlicht werden. Bei einem regulären Verlag – da bin ich mir sicher.

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