Tagebuch eines Krimilesers, Teil III

Gestern Abend (™) kam die wurde die Frage aufgeworfen, ab wann ein Krimi sich tatsächlich auch Krimi nennen darf. Oder anders gesagt, ein richtiger Krimi müsse einen gewissen Bodycount aufweisen, da er sich ansonsten nicht verkaufe. Im Raum stand dann die Zahl vier.

Vier Leichen, damit ein Krimi ein echter Krimi ist. Wir stellen uns an dieser Stelle, insbesondere angesichts der Leistungen bestimmter Mannschaften in letzter Zeit, nicht die Frage, ob bei so manchem Fußballkrimi die Zuschauer hinterher auch gerne Tote sehen würden. Es geht hier um den richtige Krimi, den zum lesen. Fersehkrimis sind kein Thema, auch wenn so genannte „Weihnachtskrimis“ geradezu dazu einladen, sich damit auseinander zu setzen.

Wir bleiben beim Bodycount. Vier Tote. Mein erster Niederrhein-Krimi hatte drei. Eine Leiche zu beginn und zwei am Ende, quasi als tödliche Klammer. In der Fortsetzung, die ich vorhabe im kommenden November zu schreiben, wir es auch wieder nur drei Tote geben. Als wäre das eigentlich kein Krimi. Meiner Meinung nach ist das aber völliger Quatsch, einen Roman über die Anzahl der darin vorkommenden Toten dem Genre zuzuordnen. Vier Leichen machen auch noch lange keinen Krimi. Das führt aber zur spannenden Frage, was einen Krimi ausmacht. Die Antworten darauf dürften so zahlreiche ausfallen, wie es deutsche Krimi Autoren gibt.

Die Handlung eines potentiellen Krimis sollte ein Verbrechen zum Thema haben. Dabei muss es nicht zwangsläufig eine Leiche geben. Auch in der Realität gibt es Polizeifälle, bei denen es um Verbrechen ganz ohne Leiche geht, zum Beispiel wie gerade aktuell dann, wenn der Körper der vermeintlich Ermordeten noch nicht gefunden wurde. Das Stichwort Verbrechen ist hier wichtig. Wobei es auch im Thriller um ein Verbrechen geht. Die Abgrenzung des Krimis zum Thriller ließe sich unter anderem daran festmachen, dass es im Krimi um die Aufklärung eines begangenen Verbrechens geht während im Thriller versucht wird, ein Verbrechen (oder noch schlimmere Verbrechen) zu verhindern.

Das Stichwort Aufklärung ist auch ein wichtiges in Bezug auf den Krimi. In ihm gibt es immer einen Ermittler, sei es in form offizieller Funktionsträger wie Polizei oder auch Privatdetektive sowie „Hobbyermittler“ – ganz nach Lesergeschmack. In einem Forum findet sich zur Abgrenzung der Genres folgendes:

Im Krimi wird das Hauptaugenmerk auf die Aufklärung des Falles gelegt, im Thriller auf die Tatstruktur und den Täter.
Quelle: gutefrage.net

Dem würde ich widersprechen, denn gerade in den letzten Jahren sind viele ausgesprochen gute Krimis auf den Markt gekommen, die auch den Täter und sein seine Motive in den Vordergrund rücken – hier kann man auch von der so genannten Verbrechensliteratur sprechen, wobei das von Fall zu Fall genau zu betrachten wäre. Sehr Eindeutig diesem Bereich zuordnen lassen sich die Texte von Ferdinand von Schirach.

Lebensechte Dialoge und vielschichtige Figuren sind auch kein Alleinstellungsmerkmal von Krimis. Und einen spannenden Plot sollten die meisten guten Bücher haben. Das Thema regionaler oder lokaler Bezug ist für einen Lokalkrimi sicher nicht unwichtig, aber eben nicht bestimmend für den Krimi im allgemeinen.

Lässt man die Leichen außen vor, so ist das, was einen Krimi, besonders einen guten, ausmacht, seine Glaubwürdigkeit. Mit der Behauptung tappt man jedoch genauso wie mit der vermeintlich richtigen Anzahl an Leichen in eine Falle. Eine Miss Marple ist sicher nicht besonders glaubwürdig. Trotzdem dem würde niemand, der sich ernsthaft mit dem Thema auseinander setzt behaupten, die Bücher von Agatha Christie wären keine Krimis. Weiter wird man in der Frage, was ein Krimi ist, nur dann kommen, wenn man sich auf Spurensuche begibt und sich die Entwicklung des Genres ansieht – das wäre dann einer der kommenden Einträge im Tagebuch eines Krimilesers.

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