Noch ein kleiner Unterschied

Noch ein kleiner Unterschied

Es kann ja mal vorkommen. Und nein, es hängt sicher nicht mit dem Herbstwetter zusammen, auch wenn ich nachvollziehen kann, wie eben solches zum längeren Liegen bleiben im Bett motiviert.

Jedenfalls, um nicht abzuschweifen, hatten DER CHEF und ich heute morgen keinen Kölner Stadt-Anzeiger im Briefkasten. DER CHEF stört sich dran nicht so sehr, schließlich gab es bereits gestern Abend um 20 Uhr die digitale Ausgabe auf dem iPad. Ich für meinen Teil brauche morgens zum Frühstück etwas, das ich auch vollkleckern und knicken kann. Zudem mag ich das Gefühl, gelesen Seiten wegzuwerfen und zu sehen, was noch alles über ist. In gewisser Weise bereitet sogar das Aussortieren der Werbung Freude – gelegentlich. Heute morgen jedoch wie gesagt gähnende Leere.

Ein Anruf bei der Abo-Hotline, um eine Nachlieferung zu veranlassen (oder eine Gutschrift). Begrüßung, kurze Schilderung des Falls, dann die Überraschung. Nein, ich werde nicht zuerst nach meiner Kundennummer gefragt, sondern die Frau am Telefon entschuldigt sich höflich für das Ausbleiben der Zeitung. Erst danach werden die Daten abgefragt, im System nachgeschaut und ein Bote rausgeschickt. Zwar hatte ich trotzdem keine Zeitung beim Frühstück, aber meine Laune war trotzdem nicht anders als sonst (ok, derzeit habe ich auch noch die Literaturbeilage des KSTA von vor zwei Wochen, die ich immer noch nicht ausgelesen habe auf dem Tisch liegen).

In Bielefeld, und damit kommen wir dann zur Überschrift, war es etwas anders, wenn wir eine fehlende Neue-Westfälisch (oder Süddeutsche Zeitung, die auch über den Boten der NW ausgetragen wurde) reklamieren mussten. Mürrisch, unwillig – wenn jemand denn ans Telefon ging. Entschuldigt wurde sich schon mal gar nicht für irgendwas, allenfalls gab es Ausreden zu hören, warum es mal wieder nichtgeklappt hat. Besonders oft hörten wir in diesem Zusammenhang, die SZ wäre nicht geliefert worden. Auf dem Weg zum Bahnhof lag sie dann selbst in einer kleineren Bäckerei und in der Bahnhofsbuchhandlung sowieso.

Es ist wohl dieser kleine Unterschied zwischen Rheinländern und Ostwestfalen. Für mich nach wie vor der Grund, in Gesprächen zu betonen, ich hätte in Bielefeld nur studiert und gewohnt, wäre dort aber um Gottes willen nicht geboren. Das die innere Distanz der tatsächlich dort geboren zu Bielefeld und Ostwestfalen besonders groß ist, merkt man durch die typische Redewendung „wo kommst du denn weg“, wenn darum geht, wo man eigentlich her komme. Weg ist, wenn man eben weg will. Und das kann man bei Orten wie Bielefeld gut verstehen. Andere kommen halt irgendwo her, aus Köln oder, sei’s drum, aus Düsseldorf. Und darauf sind sie stolz. Aber das hat jetzt gar nichts mehr mit der Zeitung von heute morgen zu tun, die sich zwei später in zweifacher Ausführung im Briefkasten befand. Sicher ist sicher, dachte man sich wohl – wenn ich trainiere, kann ich sogar in beiden unterschiedliche Artikel lesen, obwohl ja eher Frau multitaskingfähig sein sollen.

2 Replies to “Noch ein kleiner Unterschied”

  1. Also mir (ein in Köln lebender, gebürtiger Bielefelder *hust*) kommt das ja irgendwie bekannt vor. Ein Bekannter arbeitete damals für die NW, für die ich in meiner Jugend auch eine ganze Zeit gearbeitet hab. Er war Reklamationsfahrer. Es war immer genug zu tun, um daraus einen Vollzeitjob zu machen und der einzige Fahrer war er nun auch nicht. Jedenfalls hat man auch abseits der Hotline mitbekommen, welche Stimmung im Bezug auf Reklamationen herrschte.

  2. Ein Hoch aufs Rheinland! :-D

    Ich hatte aber die Tage auch ein nettes Telefonat wegen Ausbleibens des kostenlosen Wochenendblattes. Nachdem die Befürchtung, ich könne das Blatt vielleicht abbestellen wollen, durch meine Bemerkung, ich wolle es ja gerne haben und bekomme es nicht, ausgeräumt worden war, war die Dame wirklich sehr freundlich und hilfsbereit. Bin nun gespannt auf das nächste Wochenende…

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren