Sam Applesung

Sam Applesung

Stellen wir uns für einen Moment zwei Fußballmannschaften auf dem Rasen vor. Statt um den Ball zu kämpfen und ihre eigenes Tor zu verteidigen, würden sie friedlich beisammen sitzen und über das Torergebnis abstimmen. Die Fans auf der Tribüne wären unterdessen nach Hause gegangen, weil ihnen langweilig war (unberücksichtigt bleiben hier Versuche der Lynchjustiz, da die zu sehr dem Alltag im Stadion entsprechen). Nur dadurch, dass beide Teams um den Ball kämpfen, entsteht Spannung. Der Zuschauer entscheidet sich für einen Verein, fiebert mit und hält die Anhänger des anderen Vereins nicht nur für dümmer, sondern für seinen natürlichen Gegner. Einen friedlichen perfekten Zustand, so eine These, können wir Menschen gar nicht aushalten.

Agent Smith: „Wussten Sie, dass die erste Matrix als perfekte Welt geplant war, in der kein Mensch hätte leiden müssen? Ein rundherum glückliches Leben.“

Wer den Film gesehen hat, dem ist bekannt, was Smith danach sagt. Die erste Version der Matrix war eine Katastrophe, weil der Mensch das Perfekte nicht akzeptiert. Pelikan oder Geha, Commodore oder Atari – wir definieren uns durch Abgrenzung und die Überzeugung, das jeweils andere sei schlechter. Genauso verhält es sich mit Apple und Samsung bzw. iOS und Android. Es geht im Grunde gar nicht darum, was objektiv besser ist, sondern einfach um das dringend benötigte Gefühl, eines von beiden sei besser. Entscheidungsmöglichkeiten sind genauso wichtig wie Gegensätze, selbst wenn diese künstlich erzeugt werden.

Stellen wir uns für einen Moment etwas völlig absurdes vor. Was wäre, wenn die ganzen Klagen, mit denen sich Apple und Samsung gegenseitig überziehen, nur ein gut inszeniertes Schauspiel wären? Der Wettlauf der beiden diente nur dazu, Spannung zu erzeugen und Interesse in die Produkte zu erhalten. Die Wenigsten werden eine Partie Risiko dann abbrechen, wenn alle gleich viel erreicht haben. Es geht nicht um Aufteilung, sondern die Weltherrschaft – zumindest beim Spiel. Apple ist genauso auf Samsung angewiesen, wie es umgekehrt der Fall ist. Wir Menschen sind so angelegt. Was wäre das Gute ohne das Böse? Es definiert sich über die Abgrenzung. Der Unterschied ist das, was alles in Gang hält.

Wenn also heute das neue iOS in seiner sechsten Version erscheint und Freitag das iPhone 5 an die ersten Käufer geht, dann wird es mit Sicherheit wieder Kri­ti­kaster und „Fanboys“ von anderen Herstellen geben. Sie werden über die Produkte von Apple herfallen, sie verdammen und – gähn! Einfach nicht aufregen Leute, so ist das einfach. Das ist nicht mal schlimm, sondern liegt in unserer Natur. Kritik am iPhone wird und muss es daher auch geben, wenn es ein perfektes Produkt wäre. Alles andere halten wir gar nicht aus.

4 Replies to “Sam Applesung”

  1. Schade, anfangs las sich der Beitrag ja noch ganz gut, auch wenn man philosophisch der Meinung nicht zustimmen muss, dass der Mensch „eine perfekte Welt“ nicht ertragen könne. Das steht auf einem ganz anderen Blatt.

    Zum Ende hin klingst du leider selbst wie ein „Fanboy“ und irgendwie macht es deine erklärte Ansicht beim Lesen gleich wieder zunichte. Ein wenig differenzierter könnte man den letzten Absatz nämlich durchaus formulieren. So bleibt nach dem Lesen der Eindruck, dass du nicht besser bist, als die Leute, die dich ermüden („gähn“).

    1. Fanboy? Ich? Niemals! Ich lass mich nur von Apple bezahlen…

      Mal im Ernst, ich nutze zwar Apple-Geräte (genauso wie andere), mehr aber auch nicht. Das Entscheidende ist nicht die Hardware, sondern die Software. Die von mir genutzten wichtigsten Applikationen gibt es für mehr als nur eine Welt.

    2. Eben dann, wenn du dich nicht so siehst, finde ich den letzten Absatz umso bedenklicher. Wie du merkst, habe ich dich vom Lesen her in diese Kategorie gepackt – vielleicht zu unrecht. Aber mehr als den Artikel hatte ich an der Stelle auch nicht als Entscheidungsgrundlage.

      Wie gesagt, hat sich an sich wirklich schön gelesen der Beitrag, nur das Ende, das kam mir dann ein wenig spanisch vor.

    3. Bedenklich? Das ist wohl eher der falsche Begriff, der Artikel hat weder Risken noch Nebenwirkung und besteht überwiegend aus Füllstoffen der deutschen Sprache. Als Autor mag ich es eigentlich nicht, Interpretationshilfe für meine Texte und Geschichten zu liefern. Aber eins vielleicht mit auf den Weg. Wenn du mich nach dem Lesen des Textes in eine Kategorie gesteckt hast – vielleicht wolltest du das ja so? Oder vielleicht wollte ich, dass ich von Lesern in eine Kategorie gesteckt werde? Schwierige Fragen. Im Zweifel hilft immer die Subline des Blogs ;-)

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren