Tagebuch eines Krimilesers

Als Autor ist man immer auch Leser. Zumindest sollte das selbstverständlich sein. Einen guten Krimi zu schreiben, ohne selber welche gelesen zu haben, ist ziemlich gewagt. Regeln des Genres kann man auch nur dann ignorieren oder brechen, wenn man sie kennt.

Seit dem ich im November 2010 angefangen habe, Krimis zu schreiben, lernte ich eine Menge dazu (den Zustand des ausgelernt haben gibt es auch für Autoren nicht). Zu Beginn ging ich noch relativ unbedarft an meinen ersten Roman, was auch mit der völligen Ahnungslosigkeit in Bezug auf Krimis zu tun hat. Erst im Dezember des selben Jahres nahm ich meinen ersten Krimi zur Hand um das Genre als Leser zu entdecken.

Jedes Buch, jeder selbst geschrieben Text verändert ein Stück weit die Wahrnehmung und trägt somit auch hoffentlich dazu bei, selber bessere Krimis zu schreiben. Dabei kann man nicht nur von guten Beispielen lernen, sondern auch von verdammt schlechten. Fehler, über die man sich als Leser ärgert, gibt es leider eine ganze Menge. Dazu gehört häufig auch eine Auflösung des Falls, die der Autor bzw. Autorin scheinbar aus dem Hut zaubert. Selbst beim zweiten lesen findet sich oft in solchen Krimis nicht auch nur eine Andeutung, welche das Ende als Entwicklung plausibel erscheinen lässt. Für mich ist das immer ein starkes Votum, den Plot eines Krimis systematisch vor dem Schreiben zu entwickeln. Meiner Meinung nach sollte man als Autor Mörder und Motiv kennen, bevor man mit der Geschichte beginnt. Selbst wenn das nicht der Fall ist, tut es dem Text gut, solches bei der ersten Überarbeitung zu berücksichtigen.

Deutsche Krimis haben, zumindest ausnahmslose alle, die ich bisher gelesen habe, eine Gemeinsamkeit. Würden alle Krimis verschwinden, in denen in welcher Form auch immer die Beziehungsproblem der ermittelnden Hauptfigur(en) thematisiert worden sind, sähe es in den entsprechenden Abteilungen der Buchhandlungen mit einem Schlag sehr leer aus. Um eine Figur mehrdimensional darzustellen, gibt es auch noch andere Möglichkeiten. Beziehungsgeschichten, in denen zufällig auch noch ein Mord aufzuklären ist, scheinen sich aber gut zu verkaufen. Beim lesen stellt sich allerdings nach einiger Zeit eine gewisse Müdigkeit auf Grund mangelnder Originalität ein. Da hilft auch keine besonders grausame Mordmethode.

Ob Autoren den Ort der Krimi-Handlung persönlich kennen müssen, kann schnell Anlass für eine längere Diskussion werden. Die Aussage, Ortskenntnis schaden auf keinen Fall, trifft leider nicht zu. Faktenwissen ist nicht immer hilfreich, um eine gute Geschichte zu erzählen, wie nicht wenige von mir gelesen Krimis bewiesen haben. Das was man kennt zu beschreiben, kann helfen. Eine Garantie für gutes gelingen es es jedoch noch lange nicht.

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