Klappe zu

Vor bald neun Monaten hörte ich im Rahmen der Kölner Krimitage den Text „Verlassen Sie sofort meine Badewanne“ von Regina Schleheck. Anfang des Sommers bekam ich ein Exemplar ihres Buches „Klappe zu Balg Tot“ zugeschickt. Ein kleiner aber feiner Band mit bitterbösen Kurzgeschichten.

Bereits der titelgebende Text hinterließ einen nachhaltigen Eindruck, auch wenn sie meiner Meinung nicht zu den stärksten im Buch gehört. Die engere Auswahl des besten Textes fällt auf Grund der Highlights allerdings nicht leicht. „Mauer-Schau“ und „Sophokles ist tot“ gehören auf jeden Fall zu den Geschichten, die mir besonders gut gefallen haben. Als Autor weiß man manchmal selber nicht, welcher der eigenen Texte in einem Band wirklich der ist, dem man für den Besten hält. Seine „Kinder“ hat man eigentlich alle gleich lieb. Mit Sicherheit ist „Lamm Gottes“ einer der Geschichten, die am meisten verstören.

Jede der Figuren von Regina Schleheck ist auf ihre Art unverwechselbar. Von der einfältigen Mutter in „Mein Frank“ bis hin zur verlassenen Ehefrau in „Ich kann ja auch gehen“. Schleheck verleiht allen eine Stimme. Dabei muss man die einzelnen Charaktere nicht unbedingt sympathisch finden – bei dem, was sie tun beziehungsweise getan haben, fällt es auch mitunter schwer. Es reicht, wenn man zumindest teilweise ihre Motive nachvollziehen kann. Letztendlich geht es genau darum. Mörder wieder als Menschen zu zeigen und nicht als Monster. Sicher sind ihre Taten von mitunter ungemeiner Grausamkeit. Sie bleiben dennoch Menschen. Darin erinnert auch der Hinweis am Anfang des Buches. Jeder von uns könnte so eine „Kreatur“ werden, denn das Potential dazu tragen wir alle in uns. Es bricht nur mangels Anlass und Gelegenheit nicht hervor.

Die meisten Geschichten von Schleheck sind keine Kurzkrimis, sondern gehören zur Untergattung der so genannten Verbrechensliteratur, zumindest soweit es in den Texten um Tötungsdelikte geht. Die anderen Erzählungen sind, wie schon der Untertitel des Buches besagt, bitterböse. Der Schreibstil der Autorin ist unaufdringlich. Hier werden mit wenigen Worten ganze leben ausgebreitet. Die Demütigungen, die einige Figuren zu ertragen haben, wirken dadurch besonders intensiv.

In gewisser Weise ist „Klappe zu Balg tot“ ein Buch, welches sich doppelt lohnt. Während man andere Sammlungen maximal einmal liest, reizt das Buch von Regina Schleheck dazu, sich die Texte noch mal vorzunehmen – oft ist das jeweilige Ende so angelegt, dass man dann erst das gesamte Bild erkennt.

Kommentar verfassen