An der Rampe

Grundsätzlich hielt er sich nicht für jemanden, der groß Aufhebens machte, wenn die Dinge mal wieder aus dem Ruder liefen. Dafür passiert es einfach zu oft. So wie geplant gelang ihm selten etwas.

Sich darüber zu beschweren, wäre viel zu mühsam gewesen. In der Häufigkeit seines Scheiterns lag auch etwas beruhigendes, denn auf diese Konstante konnte er sich verlassen. Vom Pech verfolgt hielt er sich dennoch nicht. Sich damit zu trösten, es hätte auch schlimmer kommen können, hielt er ebenfalls für überflüssig. Er nahm schlicht und einfach die Dinge so, wie sie kamen beziehungsweise nicht kamen. Das er sich für seinen längst fälligen Selbstmord ausgerechnet eine stillgelegte Bahnstrecke ausgesucht hatte, war vorher nicht ersichtlich gewesen. Gut, es gab gewisse Hinweise, wie der starke Rostbefall der Schienen, dass ganze Unkraut und vor allem die kleinen Birken, die an einigen Stellen zwischen den Bahnschwellen gewachsen waren.

Nach dem der Nachmittag mit warten vorbei gegangen war, hatten sich seine Sinne so weit geschärft, dass er die Umgebung erkannte. Hier würde auch in der Nacht oder am nächsten Tag kein Zug mehr fahren. Da der Tag bereits vollständig ruiniert war und er nichts weiter zu tun hatte, denn es hätte alles vor ein paar Stunden schon enden sollen, folgte er einfach den Schienen. Irgendwo, so dachte er sich, würden sie schon hinführen. Nach dem er eine ganze Zeit lang gelaufen war, versperrte ihm ein Tor den Weg. Auf dem Schild davor lass man nur noch wenige Fragmente. Vermutlich war es ein Betriebsgelände und das Betreten garantiert untersagt. Rechts neben dem Tor, etwas abseits der Schienen, war der Metallzaun soweit verrostet, dass man sich bequem auf die Seite wagen konnte. Die Schienen bogen um eine Ecke, die von aufgeschütteten Hügel, die mittlerweile bewachsen waren, flankiert wurde.

Für einen Moment hielt sich die Spannung, bis der Blick freigeben wurde auf das Gelände, wo die Schienen unvermittelt endeten. Es gab eine Verladerampe an einem alten Backsteingebäude. Ein geteerter Weg führte davon Weg zu einem riesigen Trümmerhaufen. So wie es aussah, war der Weg früher weiter gegangen. Durch den Schutt ließ sich der Verlauf aber nur noch erahnen. Er hielt es für zu müßig, über den Schutt zu klettern und die Fortsetzung des Weges zu suchen. Die ungewohnte Anstrengung hatte ihm auch einiges abverlangt. Strecken zu laufen, vor allem von solcher Länge, war er nicht gewohnt. Die Kühle des Backsteingebäudes zog ihn an. Er setzte sich auf die Verladerampe und ließ seine Beine baumeln. Unter ihm die verlassenen Schienen der stillgelegten Strecke.

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