Pseudowissenschaftlich

Die Überschrift eines Artikels im Kölner Stadt-Anzeiger gestern war zwar anders gedacht, sprach aber auch für die Qualität der Aussagen von Manfred Spitzer: „Es ist schrecklich!“

Ein Interview mit dem starken Beigeschmack ungefilterter Werbung für das Buch von Herrn Spitzer, bei dem die Thesen unreflektiert und ohne hinterfragt zu werden dem Leser vor die Füße geworfen wurden. Der so genannte Hirnforscher behauptet, durch die neuen Medien würden wir das Denken verlernen. Zudem würden die Medien unseren Kindern schaden.

Noch im frühen 19. Jahrhundert wurde vor Büchern gewarnt, die zu Schäden an Seele und Gemüt führen könnten. Wie gefährlich Comics für Heranwachsende sind, geisterte noch durch meine Kindheit und Jugend. Mittlerweile sind wir soweit aufgeklärt, dass wir solcherlei als ausgemachten Blödsinn zurückweisen. Wenn jemand jedoch von „Digitaler Demenz“ spricht, fallen wir darauf herein.

Das Interview im KSTA ist für diesen kein Aushängeschild, im Gegenteil. Wer Computer als genauso gefährlich einstuft wie Alkohol, muss sich vermutlich um seine wissenschaftliche Reputation keine Gedanken mehr machen. Die Computernutzung soll insbesondere bei heranwachsenden Menschen zu geringer Gehirnbildung führen. Mir persönlich fehlt hier ein empirischer Beleg dafür. Die Nutzung von Online-Medien kann man zudem nicht gleichsetzen mit Computerspielen, so wie Spitzer es macht. Hier werden unreflektiert Vorurteile wiedergegeben und vermeintliche Forschungsergebnisse dem Leser verkauft.

Mit seinen 54 Jahren ist Manfred Spitzer nicht zu alt, noch mal die Schulbank zu drücken und sich anzusehen, wie der Informatikunterricht in den Schulen aussieht und in welcher Weise Schüler davon profitieren. Herzlich eingeladen sei er auch zur gamescom – um mal selber ein Pad in die Hand zu nehmen und zu spielen. Das fördert nicht nur Reaktionsvermögen und kognitives Denken, sondern sorgt möglicherweise auch für eine korrigierte Sichtweise auf die Dinge.

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