Legale Korruption

Legale Korruption

Wie die meisten Bundesbürger wohl auch hielt ich Bestechung bisher für strafbar. Diese Ansicht ist nicht nur naiv, sondern lediglich zum Teil richtig. Radio Eriwan würde das wie folgt beantworten:

Anfrage an Radio Eriwan:
Stimmt es, dass Bestechung strafbar ist?
Antwort:
Im Prinzip ja.
Aber nur, wenn die betreffende Person ein Amtsträger ist.
Und nicht freiberuflicher Arzt.

Leider ist das Ganze kein Witz. Wie im Kölner Stadt-Anzeiger heute zu lesen war, hat der Bundesgerichtshofs entschieden (Az.: GSSt 2/11), dass sich Ärzte nicht strafbar machen, wenn sie Geld von Pharmafirmen annehmen.
Der KSTA bringt das gut auf den Punkt:

Ärzte dürfen korrupt sein
Quelle: KSTA, 23.24. Juni 2012, S. 7

In der Praxis (und wirklich auch genau dort) weiss man als Patient demnach nicht, ob das Medikament aus medizinischer Notwendigkeit heraus verschrieben wurde oder weil der Arzt des „Vertrauens“ daran mitverdient. Auch wenn das Urteil in der Sache vielleicht richtig sein mag, akzeptabel ist es auf keine Fall. Mit dem Berufsethos und dem sogenannten Hippokratischer Eid lässt sich so was meiner Meinung nach nicht vereinbaren.

Wenn man bedenkt, was man als Patient alles unterschreiben muss, wäre es doch wohl nur fair, künftig von seinen Ärzten auch etwas unterschreiben zu lassen. Einen kleinen Text, mit dem der Arzt einem versichert, nicht Handlanger der Pharmaindustrie zu sein. Einen solchen Vordruck können die Krankenkassen gerne auch ihren Mitgliedermagazinen beilegen, denn auch sie werden durch das Urteil geschädigt.

4 Replies to “Legale Korruption”

  1. Na ganz so einfach ist es ja nicht.

    Krankenkassen zwingen die Ärzte ja durchaus dazu die günstigeren Medikamente mit den selben Wirkstoffen zu verschreiben… also eher Fälschung als Original. Das heißt für mich, das ein verschreiben von Medikamenten nach vorlieben des Arztes gar nicht möglich ist, ausser der Patient zahlt vollkommen selber, also ohne Zuzahlung. Naja und in dem Fall hat der Patient ja wiederum durchaus die Möglichkeit sich selber ein Bild von dem Medikament zu machen.

    Im übrigen ist man nicht verpflichtet jedes Rezept einlösen…. ;)

    1. Genau das. Die Pharmafirmen sind keine caritativen Unternehmen. Zudem ist der Satz “ Im übrigen ist man nicht verpflichtet jedes Rezept einlösen“ nicht ganz richtig. Natürlich wird kein Patient gezwungen, dass Rezept einzulösen. Wer aber hat als Patient schon das Wissen darüber, ob das betreffende Medikament notwendig ist?

      Nach wie vor bin ich der Meinung, dass es zwischen Arzt und Patient ein Vertrauensverhältnis gibt (oder geben sollte). Als Patient bin ich, so sehe ich das, nur eingeschränkt geschäftsfähig. Es ist keine typische Kundenbeziehung, wo zwei gleichberechtigte Geschäftspartner agieren. Insbesondere nicht bei akuten Schmerzpatienten.

      Im Zusammenhang mit eventuellen Vorgaben der Krankenkassen sollte man bei Medikamenten auch nicht von Fälschungen, sondern von Generika sprechen.

  2. Ging es um Geld? Ging es nicht eher um Sachzuwendungen? Hm… Ja aber warum machen die Konzerne das? Es gibt ja durchaus nicht verschreibungspflichtige Medikamente und anderes medizinisches Zubehör das ein Arzt vertreiben kann.

    Klar hab ich vertrauen in meinem Arzt. Wenn ich z.B. eine Grippe habe und mich deswegen krankschreiben lasse, verschreibt der Arzt mir aber auch gerne Medis dazu. Sicher im Wissen das diese mein Leiden lindern und meine Heilung beschleunigen. Ich möchte aber nicht bei jeder Grippe/bei jeder stärkeren Erkältung meinen Körper mit Chemie füttern. Ich möchte dem Arzt aber auch nicht unbedingt vor den Kopf stossen. Also nehme ich das Rezept dankend an und löse es nicht ein. Und eben diese Rezepte könnten es ja sein, die vom Arzt nur ausgestellt werden um Gewinnoptimierend zu arbeiten. Ich hab aber genug vertrauen in meinen Arzt das er mir nichts verabreichen wird, was mir mehr schadet als hilft.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren