Basarpolitik

Wenn Dirk Niebel (FDP), Entwicklungsminister der Bundesregierung, in Afghanistan privat einen Teppich kauft, diesen in einem Flugzeug des Bundesnachrichtendienstes nach Deutschland bringen lässt und die Umgehung des Zolls als Missverständnis bezeichnet, fragt man sich als Bundesbürger, was daran der eigentlich Skandal ist.

Das Niebel einen Teppich gekauft hat, bei dem nicht einwandfrei feststeht, ob er frei von Kinderarbeit ist? Oder ist es der Gratisflug der Auslegeware? Vielleicht doch eher der Versuch der zollfreien Einfuhr? Eine Mischung von allem oder nur die Enttäuschung, dass hier über einen Teppich diskutiert wird und nicht wie zu Zeiten von Flick über ganz andere Dimensionen?

Politiker scheinen endgültig in der kleinbürgerlichen Spießigkeit angekommen zu sein, wenn sie für so eine Kleinigkeit wie einen Teppich ihr Amt aufs Spiel setzen. Was der 30 kg schwere Teppich genau gekostet hat, wurde bisher nirgendwo erwähnt. Beim Zoll hätte Niebel dafür 19 Prozent Umsatzsteuer zahlen müssen. Ausgehend davon, dass der Teppich bestimmt kein Vermögen gekostet hat, dreht sich die Affäre Nibel wirklich nur um Peanuts – Unrecht bleibt es trotzdem.

Politiker sind weder moralisch noch sonst wie bessere Menschen. Sie haben die gleichen Schwächen wie andere auch. Aus diesem Grund verdienen sie es auch, dass man sie mit den gleichen Maßstäben misst. Wenn also jemand wegen eines Pfandbons entlassen werden kann, dann sollte das gleiche auch bei einem „eingeschmuggelten“ Teppich gelten. Im Übrigen wird der Begriff „Entwicklungsministerium“ möglicherweise falsch interpretiert. Es dient nicht dazu, die dort tätigen Menschen im Sinne ihrer Persönlichkeit zu entwickeln. Auch wenn das wie im aktuellen Fall angebracht wäre.

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