Die Pomodoro Technik

Rechtzeitig vor dem Ende meiner ersten Kette bin ich auf eine Arbeitstechnik gestoßen, die mir nicht nur bei der Überarbeitung der Texte hilft. Gesucht hatte ich allerdings nach etwas ganz anderem.

Fangen wir daher von vorne an. Ich wollte einen Zeitmesser für Mac OS X haben, etwas mit dem ich eine Minutenzahl einstellen kann und was dann rückwärts läuft. Für die Überarbeitung erschien mir so was sinnvoller als eine Vorgabe von Wörtern – was auch nicht funktionieren würde. Durch den Wortzähler habe ich mich an festgelegte Zielvorgaben gewöhnt, die mir mehr gebracht hat als wenn ich mir einfach nur vorgenommen hätte, eine Stunde lang zu schreiben. Ob es Zufall oder Schicksal war, darüber kann man sich sicher streiten, Fakt ist jedenfalls, dass ich auf eine Applikation stieß, die eine Tomate – einer dieser Kurzeitmesser für die Küche – als Icon hatte. Neugierig geworden, was es denn mit dieser Tomate auf sich hat, ging ich der Sache auf den Grund. Das was ich gefunden hatte, war nicht nur ein einfacher Zeitmesser, sondern eine einfache, schnell zu erlernende Technik, die sogenannte Pomodoro (ital. für Tomate) Technik.

Die Grundlagen sind schnell erklärt. Es geht darum, sich in einer festgelegten Zeiteinheit ausschließlich auf eine Sache zu konzentrieren. Der Erfinder der Technik, Francesco Cirillo, war in den 90ern auf der Suche nach einer Methode, um sich besser auf seine Aufgaben im Studium konzentrieren zu können. Er entwickelte ein paar einfache Regeln:

  1. Ein Pomodoro entspricht 25 Minuten
  2. Bei Aufgaben wird festgehalten, wie viele Pomodoro dafür benötigt werden
  3. Nach jedem Pomodoro wird eine Pause von 3 bis 5 Minuten eingelegt
  4. Nach jeweils 4 Pomodoro erfolgt eine Pause von 15 bis 30 Minuten

Zum notieren reichen Stift und Papier aus, besser geht es, wenn man die Vorlagenblätter verwendet, die es auf der Seite zum kostenlosen E-Book gibt.

Auftretende Ablenkungen unterteilt Cirillo in zwei Kategorien: interne oder externe Ablenkungen. Interne Ablenkungen sind solche, bei denen man sich selber von der eigentlichen Tätigkeit abhält. Weil einem etwas dringendes einfällt oder man auf eine neue Idee kommt. Eine externe Ablenkung dagegen können eingehende Telefonanrufe sein, oder ein Partner / Mitbewohner, der einem in ein längeres Gespräch verwickeln will. Das Prinzip hierbei ist, deutlich zu machen, dass man gerade nicht gestört werden darf. Nur die wenigsten Sachen sind so wichtig, dass sie nicht 25 Minuten warten können. Man versucht also, bei internen Störung sich schnell den Hinweis für später zu notieren und bei externen Störungen die betreffende Person höflich darauf hinzuweisen, es später noch mal zu versuchen.

Wer mag, kann, wie es Cirillo vorschlägt, jede Störung auch noch protokollieren – wobei man dann schon in der fortgeschrittenen Stufe ist. Dazu gehört auch die Planung der Aufgaben, ihre Aufteilung in eine gewisse Anzahl an Pomodori und die Nachbearbeitung der eigenen Statistik. Wie weit man damit gehen will, kann jeder für sich selber entscheiden. Bereits mit den Grundlagen lässt sich, so auch meine Erfahrung, das eigene Arbeitsverhalten deutlich verbessern.

Eine wichtige Regel fehlt allerdings noch und sie gehört unbedingt auch dazu, da sie sich unmittelbar auf die Störungen bezieht. Ein Pomodoro ist unteilbar. Wird man unterbrochen und schafft es nicht, so schnell wie möglich zurück an seine Aufgabe zu kehren, wird der Pomodoro als gescheitert betrachtet. Man fängt dann wieder von vorne an, die Zeit zu messen, verbunden mit der Hoffnung, diesmal nicht unterbrochen zu werden. Der große Vorteil der Technik ist die (Selbst-)erziehung zum Monotasking. Multitasking führt nur zur Aufmerksamkeitsstörung, geringerer Produktivität und letztendlich einem unbefriedigendem Gefühl am Ende des Tages, wieder mal nicht alles geschafft zu haben, was man sich vorgenommen hatte.

Wem Papier, Bleistift, Radiergummi und der obligatorische Kurzzeitmesser nicht ausreicht, der greif auf ein Softwarelösung wie die PomodoroApp Pomodoro oder zurück. Letztere Anwendung habe ich im Einsatz und bin damit sehr zufrieden – vor allem die Möglichkeit, sich die Pomodori in iCal eintragen zu lassen, gefällt mir.

Eines noch zum Schluss: Das typische Ticken während der 25 Minuten ist meiner Meinung nach nicht störend, sondern hilfreich. Es macht nicht nur die ablaufende Zeit hörbar, sondern ist für mich der Pulsschlag meiner Produktivität.

Kommentar verfassen