Der letzte Tag

Heute ist der letzte Tag. Noch wie gewohnt habe ich die Süddeutsche Zeitung aus dem Briefkasten geholt. Der Feiertag morgen dann wird erstmal nichts besonderes sein. Dann aber am Mittwoch, keine SZ mehr im Briefkasten.

Nicht weil der Zusteller es vergessen hätte, oder weil sie mit der Post kommen wird, bedingt durch den 1. Mai. Der Zusteller hat nichts vergessen. Auch die Post wird nie wieder die SZ bringen. Es ist vorbei, nach über zwanzig Jahren. Über die Gründe habe ich mich bereits ausgelassen. Ende März war mir aber noch nicht klar, wie groß die emotionale Lücke sein wird.

Am wenigsten vermissen werde ich Axel Hacke. Seine Artikel waren in den ersten Jahren witzig, originell und erfrischend. Leider wurde das dann zur Masche, besonders die Glosse im SZ-Magazin. Wirklich fehlen werden mir vor allem zwei Journalisten. Willi Winkler und Heribert Prantl. Gerade die Artikel von Prantl haben mich ein Stück weit geprägt. Selbst ohne den Namen bei einem Artikel oder Kommentar war mir nach dem lesen der ersten Sätze klar, ob er von Prantl kam oder nicht.

Lange Zeit vor mir verlassen hat der NRW-Teil die Süddeutsche Zeitung. Nichtmal ein Jahr ging das Experiment. Die Einstellung habe ich damals ziemlich bedauert. Vielleicht wäre es mit einem guten regionalen Teil nie soweit gekommen. Fehlen wird mir an der SZ ihr Format. In jeder Hinsicht. Ein Stück weit, muss ich gestehen, ist eine SZ unterm Arm auch eine Art Kulturausweis, zumindest außerhalb von Bayern. Ohne SZ gehöre ich nicht mehr dazu. Aber so ist das, wenn man trotz vieler Gemeinsamkeiten auch viele Differenzen hat.

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