Auswirkungen der Sekundarschule

Bisher hatte ich eine falsche Vorstellung davon, was sich hinter der Bezeichnung Sekundarschule überhaupt verbirgt. Ich war der Meinung, es wäre eine neue Schulform ausschließlich für die Klassen 5 und 6, die parallel zu den bisherigen Schulformen eingerichtet wird.

Die Berichterstattung zum Thema, zumindest die, die ich verfolgt habe, klang im Tenor so wie der Artikel bei Wikipedia zur Sekundarschule:

In Nordrhein-Westfalen einigten sich die Landesregierung von SPD und Grünen mit der CDU im Juli 2011 auf die Einführung einer Sekundarschule. Gemeinsames Lernen gibt es dabei in den Klassen fünf und sechs; dieses wird differenziert gestaltet, da kein gymnasiales Niveau für alle verpflichtend ist.

Gemeinsames Lernen in diesen beiden Klassen, da vermutet man nicht unbedingt eine neue Schulform hinter. Zudem klang für mich auch immer das Konzept der sogenannten „Erprobungsstufe“ durch, in der die Schülerinnen und Schüler in den ersten beiden Klassen der Sekundarstufe I unter besonderer Beobachtung stehen. Sofern die entsprechende Eignung für die gewählte Schulform nicht vorliegt oder das Kind die Erwartung übertrifft, konnte bisher ein Wechsel auf eine andere Schule erfolgen.

Durch einen Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger von heute („Neue Schulen für Köln“) bin ich darauf gestoßen, welche Klassen die Sekundarschule tatsächlich umfasst. Bei entsprechender Recherche vorher, zum Beispiel auf der Seite des Schulministeriums, wäre mir folgendes schon früher bekannt gewesen:

Die neue Sekundarschule umfasst die Jahrgänge fünf bis zehn, und sie ist mindestens dreizügig.

Im Unterschied zur Gesamtschule fehlt der Sekundarschule die Sekundarstufe II, also die gymnasiale Oberstufe. In direkter Konkurrenz zur Gesamtschule tritt die Sekundarschule zunächst nicht. Dafür werden zwei anderen Schulformen sukzessive verschwinden: die Hauptschulen und Gymnasien. So ist im KSTA zu lesen, dass im Rahmen der Schulentwicklung in Köln zum Beispiel vorgesehen ist, in Porz alle Haupt- und Realschulen in Sekundar-
schulen umzuwandeln. Geschehen soll das immer im Einklang mit dem Willen der Eltern und Schulen. Die Perspektive (zumindest für Köln):

Mittelfristig wird es nach Einschätzung der Verwaltung auf ein zweigliederiges Schulsystem hinauslaufen: Schulen, die ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder anbieten, und Gymnasien werden an die Stelle des mehrgliedrigen Systems treten.

Quelle: KSTA 26.04.2012, S. 25

Verkauft wurde und wird das den Bürgerinnen und Bürgern als Schulfrieden von NRW. Dahinter steckt ein schwerwiegender Umbau des Schulsystems. Während Hauptschule und Realschule eindeutig auf der Verliererseite stehen, ist das bei der Gesamtschule noch nicht sofort erkennbar. Auch wenn es so in aller Deutlichkeit nicht gesagt wird: zumindest ist es zu befürchten, dass sie ebenfalls verschwinden wird, aufgerieben zwischen Sekundarschulen und Gymnasien.

Welche Auswirkungen das haben wird, ist aus heutiger Sicht schwer abzuschätzen. Problematisch daran ist der Eingriff in ein lebendes System immer. Hier wird mit Schülern experimentiert, ohne das Ausgang und Verlauf des Experiments bekannt wären. Sicher ist nur eins: der Umbau im Bildungssystem erfordert einen ebensolchen Umbau in der Lehrerausbildung.

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