Spotify Ersteindruck

Spotify Ersteindruck

Nach dem ich am Mittwoch erst noch gezögert habe, läuft bei mir jetzt auch Spotify und sorgt für Musik im Hintergrund – bisher noch ohne kostenpflichtiges Abo. So schlimm finde ich die Werbung nicht und es widerstrebt mir, für noch einen Dienst zu zahlen (unter anderem kassiert die GEZ monatlich Geld von mir).

Nach Installation und Programmstart wird erstmal nach meinen Facebook-Daten gefragt. Damit habe ich keine großen Bauschmerzen, auch wenn ich mir vorstellen kann, was da mit meinen Daten getrieben wird. Recht schnell habe ich herausgefunden, wie ich Spotify so dressieren kann, dass nicht meine ganze Timeline bei facebook vollgeschrieben wird. Danach ging es auf die Suche nach Musik. Kernstück, soweit ich Spotify bisher begriffen habe, sind Playlisten, die man selber anlegt und solche, die man von anderen abonnieren kann. Auf diese Weise habe ich jetzt die deutschen Charts, laufend aktualisiert, als Playliste – nicht schlechter als bei einem Radiosender, mit dem Vorteil, dass nicht dauernd jemand dazwischen redet und man noch mal ein Lied zurück springen oder es in eine eigene Lieblingsliste packen kann.

Für den Musikgeschmack jenseits des Mainstreams gib es zu meiner Überraschung auch ein großes Angebot – zumindest was in meinem Fall das Thema Jazz angeht. Den grössten Teil der bei Jazz thing besprochenen Musik konnte ich bei Spotify finden und mir eine eigen Playliste damit erstellen. Soweit ist das alles also schön und gut.

Nach dem drüber Schlafen ist mir jedoch etwas bewusst geworden, was fehlt und was es auch nie geben werden. Wenn ich durch meine CD-Sammlung sehe, dann kann ich mich bei vielen CD’s daran erinnern, wann, wo und warum ich sie gekauft habe. Mit jedem einzelnen Album verbinde ich eine Erinnerung. Bei der über iTunes gekauft Musik sieht das schon anders aus. Der persönliche Bezug ist nicht mehr da. Ich kann mich vielleicht noch an eine Stimmung erinnern, in der ich war, als ich ein bestimmtes Stück zum ersten Mal gehört habe. Orientierungspunkt ist hier noch der Tag, an dem man es gekauft hat. Bei Spotify gibt es keinen Kauf und auch keinen wirklichen Besitz der Musik (gut, wenn man es konsequent denkt, besitze ich auch nicht die Musik auf den CD’s, sondern habe nur ein Nutzungsrecht erworben). Alles ist immer verfügbar – solange es Spotify gibt. Man schwimmt in einem Meer von Musik, droht aber darin zu ertrinken. Musik fehlt der Bezug, wie ich finde. Verschwindet Spotify wieder von der Bildfläche, ist damit auch die Musik, die ich dort in Form von Playlisten habe, weg. CD’s habe ich selbst dann noch im Regal stehen, wenn es längst keine CD-Player mehr geben wird. Mit ihnen bleiben die Erinnerungen, auch wenn die Stücke längst auf einer Festplatte sind.

Vielleicht schaffe ich es, zu einer anderen Einstellung zu gelangen. Diese Jäger- und Sammler-Mentalität zu überwinden, die in uns allen steckt. Vorher bleiben Spotify und ich jedoch nur lose Bekannte.

6 Replies to “Spotify Ersteindruck”

  1. Das ist ja mal wirklich eine sehr Romantische Sicht der Dinge. Ich hab schon vor Jahren meine sämtlichen CDs auf den Dachboden verfrachtet da ich keine Lust mehr hatte die zu entstauben. Nur noch wenige Klassiker bzw. komplette Sammlungen zweier Bands befinden sich im Regal, haben aber auch dort keine große Beachtung. Von daher steh ich der Sache recht offen entgegen.

    Ich werde Spotify jetzt testen und erhoffe mir eine Lösung für viele meiner Problem… vor allem denke ich aber das es eine schöne Lösung ist um endlich legal Musik zu einem kleinen Preis zu erhalten….. und das Plattformübergreifend…

    1. Ja, ich gebe zu, das es eine romantische Sicht auf die Dinge ist. Aber durch die Menge Musik, die ich in den letzten 48 Stunden entdeckt habe, bin ich schon fat überzeugt von Spotify.

  2. Mit iTunes und den anderen Musikdiensten hat sich viel verändert. Deinen Gedanken kann ich sehr gut nachvollziehen.

    Musik hat in gewisser Weise ein bisschen das Besondere verloren, was sie vor diesem inflationären Angebot einmal hatte. Kein unwichtiger Aspekt – wie ich finde, auch bei der Debatte um Urheberrechtsthemen. Wenn wir den Wert nicht mehr richtig schätzen, werde wir uns leichter damit tun, Rechte zu verletzen.

    1. Das Besondere an der Musik – das ist auch noch mal interessanter Gedanke. In dem Zusammenhang fiel mir die Dallmayr Prodomo Werbung ein. Ein Mann, der sich extra fein anzieht, obwohl er „nur“ Kaffee kaufen geht. Es ist diese Wertschätzung, die mir gefällt. Hinsichtlich der Urheberrechte denke ich jedoch, dass es besser werden wird. Denn warum sollte man Musik illegal kopieren und Risiken eingehen, wenn man jederzeit legal Zugriff darauf hat?

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren