Ausgemachter Montag

Das Grundproblem eines jeden Montags ist nicht, dass mit ihm bei uns die Woche anfängt, sondern das man, wenn man morgens die Zeitung aufschlägt, den ganzen Blödsinn mitbekommt, der sich in letzten zwei bis drei Tagen ereignet hat.

Heute morgen wurde einem erst richtig bewusst, dass ein Niedersachse, der zeitweise in Berlin wohnhaft war, nicht das Standing hat, auf einen Zapfenstreich zu verzichten. Aber nicht nur das. Statt einfach zufrieden damit zu sein, dass er formal Anrecht auf diese falsch titulierten Ruhebezüge hat (wo doch von jedem anderen gesunden Erwachsen in seinem Alter bei Jobverlust erwartet wird, bis zur Rente zu arbeiten ), will er noch mehr. Dieser besagte Niedersachse pocht auf drauf, künftig Büro, Sekretärin, Chauffeur und eine persönlichen Referenten gestellt zu bekommen. Vielleicht wäre es angebracht, statt einer flinken Neubesetzung in Schloss Bellevue an der Fassade ein schwarze Schleife anzubringen. Als Zeichen der Trauer um den verstorbenen Anstand. Die Stelle könnte, bei Änderung des Grundgesetzes, auch erstmal unbesetzt bleiben, aus Respekt vor dem Amt.

So etwas wird aber nicht passieren. Nicht in einem Land, in dem die Bundeskanzlerin keine 24 Stunden nach dem doch sehr wahrscheinlichen Wahlbetrug in Russland dem neuen wieder mal gewählten Präsidenten zur Wahl gratuliert. Nicht in einem Land, dass sich an einem Eurovision Song Contest beteiligt, welcher in Aserbaidschan stattfinden wird. Ein Staat, der Menschenrechte mit den Füßen tritt und in dem die Pressefreiheit stärker eingeschränkt ist als im Irak (SZ-Magazin 9/2012, S. 12). Putin soll bei der Verkündung seines Wahlsieges Tränen in den Augen gehabt haben. Kein Wunder, denn er hat sicherlich herzlich vorher gelacht.

Uns hier in Deutschland sollte allerdings das Lachen vergehen. Während wir uns die ganze Zeit mit Wulff beschäftigt haben (mich würde nicht wundern, wenn er demnächst im Dschungelcamp auftauchen würde), sterben im Bürgerkrieg in Syrien täglich Menschen. Gleichzeitig darf ein weißrussischer Diktator unseren Außenminister beleidigen, ohne dass es zu einem Aufschrei kommt. Auch wenn man Herrn Westerwelle nicht mag: wo sind all die netzaffinen Menschen, um sich jetzt hinter ihn zu stellen? Machen sie sich das Denken „Besser Diktator als schwul“ nicht schweigend zu eigen?

Ein ausgemachter Montag. Die Empörung schläft vermutlich noch ihren Rausch vom Wochenende aus – wir werden sehen.

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