Scrivener für Umsteiger, Teil 5

Letzte Woche habe ich gezeigt, auf welche Weise mich Scrivener bei der Überarbeitung meiner Texte unterstützt. Ein Aspekt dabei war die Aufteilung des Editorfensters, um den aktuellen Text parallel zu einer der vorhergehenden Version zu betrachten.

Diese Funktion von Scrivener nutze ich selber, wie gesagt, nicht so häufig. Dagegen mache ich von einer anderen Funktion recht häufig Gebrauch: Layouts. Wer schon etwas mit Scrivener gearbeitet hat, wird festgestellt haben, dass Bereiche ein- bzw. ausblenden kann. Je nach dem, ob man gerade schreibt, plotet oder überarbeitet, benötigt man den Binder, den Inspector oder die Sammlung (Collection). Manchmal kommt es auch vor, dass man sich auf bestimmte Teilbereiche konzentrieren will. Um ablenkungsfrei den reinen Text vor sich zu haben, gibt es den sogenannten Compose-Modus (der früher ein normaler Vollbildmodus war, aber im Zuge von OS X Lion umbenannt wurde, damit mit man ihn vom Vollbildmodus des Betriebssystems auseinanderhalten kann). Im Compose-Modus sieht werden nicht nur alle Menüelemente ausgeblendet, sondern auch der Rest des Schreibtisches wird mehr oder weniger abgedunkelt (die Transparenz lässt sich einstellen). Papierbreite, Schriftfarbe und Größe lassen sich ebenfalls anpassen. Während alle anderen Inhalte ausgeblendet werden, gilt das nicht für schwebende Fenster – praktisch, wenn man zum Beispiel den Hintergrund einer Figur ausarbeiten möchte. Ich mache das dann so, dass ich mir über „QuickRef“ ein das Bild er Figur anzeigen lasse, in den Compose-Modus wechsle und dann dazu schreibe.

Mit den Layouts, die Scrivener verwalten kann, hat das allerdings noch nichts zu tun. Layouts beziehen sch bei Scrivener auch nicht auf den Text selber, sondern auf die Anordnung der Fenster und ihre Größen. Je nach dem, in welcher Phase ich mich in meinem Schreibprojekt gerade befinde, habe ich eine bestimmte Fensteraufteilung. So gibt es Momente, wo ich gerne am Text einzelner oder mehrere Szenen arbeite und parallel dazu die Korkwand mit der Übersicht benötige. Damit ich mir nicht jedes Mal in Scrivener alles erneut einstellen muss, habe ich unterschiedliche Ansichten als Layout abgespeichert.

Vorhanden Layouts erreicht man über die Symbolleiste. Dort ist es das dritte Icon von links, über die sich ein anderes Layout auswählen lässt. Neue Layouts kann man über die Verwaltung anlegen, zu erreichen über „Window“, „Layouts“ und dann „Manage Layouts“.

Die beiden Optionen zum anwählen „Save outliner and corkboard settings“ und „Preserve all meta-data appearance“ sorgen dafür, dass Einstellung hinsichtlich der Kartengröße und Aufteilung der Karten so wie die Felder, die im Outliner anzuzeigen sind, ebenfalls im Layout gespeichert werden. Dabei bezieht sich die Meta-Daten Einstellung auf alle Bereich, wo Farben und Markierung in Scrivener angezeigt werden. Also zum Beispiel die Label-Farbe im Binder oder in der Korkwand-Ansicht. Für mich sind die Layouts wieder ein Bestandteil, wo Scrivener mir beweist, dass sich die Software an meine Bedürfnisse anpasst und nicht umgekehrt.

Bei den Layouts, die ich angelegt habe, sieht man auf dem Bild als letztes die Ansicht „Whiteboard“. Bisher bin ich darauf noch nicht eingegangen, da diese Feature bisher nur in der Mac-Version vorhanden ist. Neben der klassischen Pinwand-Ansicht gibt es noch einen so genannten „Freeform-Modus“. Während auf der normalen Pinwand alle Karten innerhalb eines Raster angeordnet sind, kann man damit wirklich frei Karten und Bilder herumschieben. Innerhalb meines normalen Entwurfsordners nutze ich diese Funktion nicht. Gestern bin ich bei der Arbeit an einem aktuellen Schreibprojekt aber genau an den Punkt gekommen, wo dieser Modus für mich eine enorme Hilfe darstellt. Da diese Serie kein Handbuch von A bis Z, sondern eine Art „best practice“ sein soll, möchte ich darauf noch mal eingehen.

Auf diesem Whiteboard, dass sich auch noch mittels Vollbild-Funktion von Mac OS X auf der gesamten Bildschirmgröße anzeigen lässt, kann ich dann wirklich frei mit Bildmaterial und Notizen arbeiten, diese zuordnen und mittels QuickRef(erenz) an einem längeren Eintrag dazu arbeiten. Dabei sollte man sicher gehen, dass man im Menü unter „Window“ die Option „Float QuickRefernce Panel“ angewählt hat, damit die Fenster auch tatsächlich über der Korkwand schweben. Wer das Bild meines Whiteboards genau betrachtet, der erkennt, wie ich beim schreiben dieser Zeilen, bestimmt noch das Verbesserungspotential. Sämtliche Leisten oben und unten lassen sich auch noch ausblenden, so dass man nur noch eine graukarierte Fläche hat, auf der man mit seinem Material arbeiten kann. Hierbei bietet es sich an, wieder mit den Layouts zu arbeiten. Zunächst sollte man sich seine normale Arbeitsansicht mit eingeblendeter Symbolleiste, dem Binder und Inspektor usw. als Layout sichern. Das hat den großen Vorteil, dass man egal was man ausgeblendet oder verstellt hat, immer wieder schnell und bequem zu dieser Ansicht zurück wechseln kann.

Erst danach wechselt man auf die Korkwand und den Freiform-Modus und blendet alles aus. Abschließend wechselt man in den Vollbildmodus von Max OS X (über die beiden diagonalen Pfeile ganz oben rechts). Die fertige Layoutansicht kann man dann ebenfalls wieder abspeichern.

Im nächsten Teil werde ich dann wie bereits für dieses Mal versprochen definitiv auf die Ausgabe des fertigen Textes eingehen. Da das Thema aber etwas umfangreicher ist und für viele Autoren nicht unwichtig ist, wollte ich es nicht nebenbei abhandeln.

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