ASS

Als Spielkarte ist das Ass ähnlich hilfreich wie die Acetylsalicylsäure gegen Kopfschmerzen. Beide sind aber nicht mit der Überschrift gemeint. Vielmehr geht es um eine Art Störung in der Wahrnehmung, die sich virulent im Land ausgebreitet hat.

Nicht nur bei der Bahn, sondern auch in breiten Schichten der Gesellschaft ist ASS anzutreffen. Was aber verirrt sich hinter der prägnanten Abkürzung? Versuchen wir es mit ein paar Beispielen aus dem täglichen Leben.

Über zwanzig Minuten Zugverspätung. In der Durchsage der Bahn wird von witterungsbedingter Verspätung gesprochen.

Einkaufsversuch in einem Geschäft, der Artikel ist nicht mehr da, weil laut Aussage des Verkäufers entweder zu wenig geliefert wurde oder zu viele Kunden den gleichen Artikel haben wollte.

Eine Veranstaltung, die nicht das gehalten hat, was sie versprach. Lapidare Antwort der Organisatoren, es sei eine Veranstaltung zum mitmachen, wo sich jeder einbringen kann.

In allen drei, natürlich frei erfundenen Beispielen mit rein zufälligen Ähnlichkeiten, steckt eine andere Aussage zwischen den Zeilen.

Die Bahn will uns mitteilen, dass das Wetter die Verantwortung für die Verspätung trägt.

Der Verkäufer ist vermutlich selber davon überzeugt, dass wahlweise der Lieferant oder die Kunden die Knappheit verursacht haben.

Und im letzten Beispiel steckt ein deutliches „bist du selber Schuld“ drin.

ASS – andere sind Schuld. Man selber weist jede Form der Verantwortung zurück. Das ist nicht nur bequem, sondern vor allem feige. Was wäre es doch schön, wenn Menschen (und auch Unternehmen) Rückgrat hätte.

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