Ein Hähnchendöner für den Präsidenten

Gestern gab es hier an dieser Stelle den letzten Teil der Weihnachtsgeschichte zu lesen. Für mich beginnt mit deren Ende damit das neue Jahr im Blog.

In den letzten Tagen hatte ich oft ein Zucken in den Finger, spürte den Drang, mitten zwischen den Fortgang der Geschichte noch was anderes zu schreiben, mich auf die aktuellen politischen Ereignisse zu beziehen. Ich konnte mich dann gerade noch auf einen gelegentlichen Kommentar via Twitter beschränken – auch wenn es schwer ist, bei Thema wie das Verhalten des Bundespräsidenten Christian Wulff mit 140 Zeichen auszukommen.

Das was er sich geleistet hat ist genauso appetitlich wie mit Antibiotika-resistenten Bakterien verseuchtes Hühnerfleisch. Wobei das im Gegensatz zum Bundespräsidenten wirklich lebensgefährlich werden kann. Meiner bescheidenen Meinung nach sollte der Gesetzgeber an dieser Stelle eingreifen und dem Missbrauch von Medikamenten zur Massentierhaltung, die einzig und allein der Profitmaximierung dient, einen Riegel vorschieben. Freiwilligkeit nützt da wenig, es müssen empfindliche Strafen drohen – statt Geldstrafen langjährige Haftstrafe für die Verantwortlichen. Und zwar aus einem guten Grund. Wenn man sich Filme anschaut, die in einer Zeit vor der Entdeckung des Penicillins spielen, wird einem bewusst, das Antibiotika eine wirkungsvolle Waffe gegen viele Krankheiten waren. Stumpf geworden durch den Missbrauch. Was das zur Folge haben kann, malen wir uns lieber nicht im Detail aus – wobei das mit Sicherheit interessant für einen Krimi wäre.

In der Pause zwischen den Feiertagen habe ich viel gelesen, auch intensiever als sonst die Süddeutsche Zeitung. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass deren Niveau teilweise ziemlich gesunken ist. Es gibt immer noch die glänzenden Kommentare von Heribert Prantel und anderen, Artikel, die zu den Glanzstücken des Journalismus zählen und Interview-Perlen wie das mit Hellmuth Karasek zum Thema Christina Wulff. Auf der anderen Seite stehen aber schlampige Recherchen, lieblose Texte und vor allem ziemliche Polemik, insbesondere wenn es um das öffentlich-rechtliche Fernsehen oder Internetnutzung geht. Der letzte Artikel auf Seite drei zum Thema offline sein bezog sich hauptsächlich auf Facebook und wie furchtbar das doch alles ist, weil man darüber das reale Leben vergisst. Fazit war in etwa, dass reale Schafe besser sind als virtuelle. Auch heute gab es wieder etwas, worüber man als Leser nur den Kopf schütteln konnte. Im Feuilleton gab es eine Kritik zur Neuverfilmung von Stieg Larsssons „Verblendung“. Der dritte Absatz fasste kurz den Anfang des Buches / Films zusammen:

Für einen mächtigen schwedischen Industriellen ist der Rubikon überschritten, er hat dem Magazin Millenium und seinem Star-Reporter Blomkvist den legalen Krieg erklärt.

Diese Anspielung auf Wulff ist nicht mal witzig, sondern nur noch peinlich. Vor allem wenn man berücksichtig, dass die SZ in Bezug auf Wulff deutlich handzamer war als andere Zeitungen. Da hat mir die Berichterstattung des Kölner Stadt-Anzeigers wesentlich mehr zugesagt. Überhaupt der KSTA. Der hat sich zu meiner ersten Morgenlektüre gemausert. Was unweigerlich zur Frage führt, ob ich die SZ überhaupt noch brauche. Auch etwas, worüber ich in diesem Jahr nachdenken sollte.

Weitergehen wird es in den nächsten Tagen im Blog mit der üblichen bunten Mischung, durchsetzt von vielen Artikeln rund um meine Schreibentwicklung. So. Jetzt reicht es erstmal, ich hab schon wieder jemanden auf dem Anrufbeantworter, der von einem furchtbaren Missverständnis spricht.

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