Tödliche Weihnachten (17)

Knutsen war dankbar für die Ablenkung. Grönen war sich dagegen sicher, dass Vera Böckel etwas zu verbergen hatte. Das der Knutsen mit Böckel bekannt war, hielt ihn nicht davon ab, trotz angebotener Getränke weiter nachzuhaken.

„Es gibt doch sicher noch eine Personalakte zu Herrn G., oder?“

„Brauchen sie nicht so was wie einen Durchsuchungsbeschluss dafür?“

„Nicht, wenn sie mir die Akte freiwillig zeigen wollen.“

„Personalakten sind aber nicht für eine Einsicht durch Dritte bestimmt. Ich bin mir sicher Herr G. würde etwas dagegen haben.“

„Jetzt nicht mehr.“

„Wie meinen sie das?“

„G. ist tot.“

Vera Böckel wurde blass.

„Das, das wusste ich noch nicht.“

Wie vorausgesehen stand Knutsen die neben den seinem Chef und Vera und schwieg. Zumindest aber stand er so günstig, um die zusammen sackenden Vera aufzufangen, bevor sie zu Boden fiel.

„Ich muss mich setzen.“

„Machen sie das.“

Vera Böckel setzte sich in einem der Sessel, die ihm Empfangsbereich standen.
Jetzt mischte sich Knutsen ein.

„Ihr geht es nicht gut.“

„Das ist offensichtlich.“ Grönen ließ sich nicht aus dem Konzept bringen.
„Was ist denn jetzt mit der Personalakte? Soll ich Herrn Bergmann im Urlaub stören, damit wir Einblick erhalten?“

Knutsen funkelte seinen Chef böse an. Das ging hier doch eindeutig zu weit. Er behandelte Vera Böckel als ob sie G. umgebracht hätte.
„Lass das doch endlich mit der scheiss Akte. Was soll das überhaupt bringen?“

„Mischt du dich nur ein um überhaupt was zu sagen oder bist du befangen?“

Während Grönen Knutsen zurecht wies, nutzte Böckel den Moment, um aus dem Sessel aufzuspringen. Sie wollt einfach nur noch weg. Der Weg nach draußen war durch die beiden Polizisten versperrt. Einem Impuls folgenden lief zu zum Damenklo im Erdgeschoss. Es dauerte nur einen Moment, bis Grönen begriff, und ihr hinterher rannte. Der verdutzte Knutsen blieb allein stehen. Den Tag hatte er sich auf jeden Fall ganz anders vorgestellt. Vera verschloss die Tür hinter sich. Grönen hämmerte dagegen.

„Frau Böckel, es bringt doch nichts. Sie machen alles nur noch schlimmer.“

Vera sah zu den Fenstern. Es gab keine. Nichts, wo sie einfach hätte raus können. Sie saß wie eine Maus in der Falle, während draußen der dicke Kater wartete. Sie lehnet sich mit dem Rücken an die Tür und rutschte zu Boden. Dann kamen die Tränen. Von draußen hatte Grönen aufgehört, gegen die Tür zu schlagen. Er hatte sein Ohr an die Tür gepresst und lauschte. Es dauerte etwas, dann hörte er, wie drinnen ein Wasserhahn betätigt wurde.

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