Tage wie diese

Schreiben in der Nacht. Dunkelheit, die auf ein Flüstern des Tages folgt, einsame Laute eines singenden Trockners. Von weiter unten die Unruhe der Nachbarn, die sich in ihrem Alkoholrausch besinnungslos reden. Warum aber soll ich mir den Kopf auf der Laterne zerbrechen, wenn es im Regen so viel einfacher geht. Die Entzündung an meinen Knie hat nachgelassen.

Die Tage mit frischem Eiter am Morgen werden mir dennoch nicht fehlen. Es tut gut, sich ohne Schmerzen zu wissen, auch wenn ich des nachts meine Zähne auf dem Nachtisch im Glas schwimmen habe. Die Zunge hat viel Spiel im Mund ohne die Zähne. Nur das Kauen fällt etwas schwer, wenn einem auf Dauer der Brei zu einseitig geworden ist. Der nächste Tag. Vielleicht es es nur eine Erinnerung, die reift wie ein Winterkartoffel. Erfroren in der schneefreien Tageshälfte, währen der LKW vorbei fährt und durch sein Hupen ein auf der Straße zurück gelassenen Baby im Kinderwagen erschreckt. Doch nur von kurzer Dauer, dann ist er darüber hinweg, während die Eltern sich weiter das Kindergeld auszahlen lassen.

Donnerstag. So fei von Verrat und dem Klagelied alter Freundschaften. Was gäbe man doch darum, wenigsten einen guten Feind zu haben, auf dem selbst in den schwersten Stunden Verlass ist. So aber bleiben nur ausgezehrte Geschenke oder der Ahnung eines Weihnachtsbaumes. Ein zerrupfte Tanne, der schon vor der angeblich heilige Nacht die Hälfte der Nadeln fehlen. In der Küche riecht es nach angebranntem Essen, das auf diese Weise seines faden Geschmackes beraubt wurde. Lieblos zusammengefaltete Geschenke, aus den Mülltonne im Hinterhof zur Freude derer, die ihren Verstand längst versoffen haben. Eine kleine Spende für Obdachlos, als Dank für das Scheissen in den Hinterhof. Respektlos, wer selbst nüchtern an die Mauern der Kirche uriniert, statt auf den Gottesdienst zu warten. Heilige Nacht. Frohlocket, wenn im Klingelbeutel euer Seelenheil klimpert. Almosen für die Ärmsten der Armen, denen das Zölibat eine rechtmäßige Ehe untersagt. Ihr Heil finden sie in den abseits gelegene Bordellen, wo sie auf Ehemänner treffen die dem Feiertagsstress entflohen sind.

Fremdgehen ist mehr als ein Wort, es ist der Zustand einer verlorenen Liebe, die in der Alltäglichkeit vor Jahren gestorben ist. Kein Beileid, wenn man sich selbst damit abgefunden hat, zu denen zu gehören, die tot sind, und trotzdem täglich ins Büro fahren. Hoffnung heisst ein Geschenk für Narren, mit denen man ihnen die Bedeutungslosigkeit ihrer Existenz versüßen vermag. Freut euch, denn euch ist der Heiland geboren worden. So groß ist die Freude, das wir darüber den Nachtisch vergessen und gleich den Fernseher einschalten, währen die Mutti in der Küche leisen den Abwasch erledigt, bevor sie erschöpft ins Bett sinkt. Dann, ja dann ist stille Nacht.

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