Kölner Krimitage

Gestern waren DER CHEF und ich von 17 Uhr bei den Kölner Krimitagen, einer viertägigen Veranstaltung zum Gedenken an Friedrich Glauser, der am 8. Dezember 1938 starb. Die Veranstaltung ist dabei nicht nur eine reine Gedenkveranstaltung, sondern vor allem eine Lese-Marathon.

Insgesamt lesen und lasen von Donnerstag bis Sonntag 47 Autoren. Bei einem Eintritt von gerade einmal 10 Euro für eine Tageskarte ist das, im Vergleich zur lit.cologne, ein Schnäppchen. Hinzu kommt noch, dass die Eintrittsgelder so wie die Erlöse vom Verkauf der Bücher komplett der OASE, eine Initiative, die sich um wohnungslose Menschen in Köln kümmert, gespendet werden. Schwer verständlich, warum die Autoren am Freitag vor einem sehr überschaubaren Publikum gelesen haben.

Für Krimi-Fans sind diese Tage eigentlich ein absolutes Muss. Ein einer fast schon familiären Atmosphäre gab es zehn Autoren (plus Krimi-Chansons einer weiteren Autorin und ihrem Mann). Wer sich für den Kauf des einen oder anderen Buches entschieden hatte (was bei der Anzahl an guten Krimis nicht leicht war), konnte sich auch noch direkt sein Exemplar signieren lassen.

Zugegeben, von denen, die gestern gelesen haben, sagte mir noch einer etwas. Der Glauser-Preisträger Horst Eckert mit seinem neuen Krimi „Schwarzer Schwan“. Spannend erzählt. Trotzdem fiel die Kaufentscheidung an diesem Abend zugunsten des „Eifelbaron“s von Rudolf Jagusch. Mir hat nicht nur das Vorlesen gefallen, sondern auch die Art, wie Jagusch seine Figuren zeichnet. Nicht zu viele Details, nur das, was unbedingt nötig ist. Schön war auch die gewisse Portion Humor in seinem Krimi. Und das Wichtigste (jedenfalls für mich): zumindest der vorgelesen Teil entsprach meiner Meinung nach auch korrekter Polizeiarbeit (was längst nicht bei allen Krimis der Fall ist). So durften die Kriminalpolizisten den Tatort erst dann betreten, nach dem die Spurensicherung ihn freigegeben hat. Sicher kann man darüber streiten, ob solche Details für den Leser wirklich wichtig sind – mir sind sie wichtig.

Die „Kettenreaktion“ von Sebastian Stammsen sollte auch nicht unerwähnt bleiben. Im Buch dreht es sich um die Sicherheit von deutschen Atomkraftwerken. Dabei schreibt Stammsen als „Insider“, da er eine Zeit lang beim Umweltministerium Baden-Württemberg in der Abteilung Kernenergieaufsicht gearbeitet hat. Seine beiden Kommissare kommen zudem aus Krefeld, was mich an mein Krefelder-Ermittler-Trio erinnerte. Gelungen fand ich beim ihm die Verwendung der Ich-Perspektive. Nette Randbemerkung von ihm: wenn einem im Krimi etwas merkwürdig und skurril vorkommt, wie rosa Unterwäsche im Kernkraftwerk, dann kann man davon ausgehen, dass es der Wirklichkeit entspricht.

Mit „Verlassen Sie sofort meine Badewanne“ hat Regina Schleheck eine Kurzgeschichte vorgelesen, die unter die Haut ging. Gerade weil es kein typischer Krimi war, sondern sich das, was einer Figur widerfahren war, nur in Andeutungen zu erahnen gewesen ist. Die Situation in einem Altenheim war beklemmend gut erzählt und gehört zu der Sorte Text, über die man noch lange nachdenken kann.

Gerne hätte ich auch noch heute und morgen Veranstaltungen besucht, gesundheitlich ist das aber derzeit nicht drin, da mich meine Erkältung fest im Griff hat – leider. Den Veranstalter kann ich an dieser Stelle noch weiterhin ein gutes Gelingen wünschen und hoffen, dass es auch im nächsten Jahr Kölner-Krimi-Tage geben wird.

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